AUSSTELLUNG

Das Herz am rechten Fleck

von Redaktion

„Seelentrost – Was uns heilen kann“ im Kloster Beuerberg

Aus der üppigen Sammlung des Diözesanmuseums ist die Schau bestückt. © C. Schmid

Eine fröhliche, unterhaltsame, überraschende Schau: Blick in die frisch renovierten Klosterräume mit einem riesigen liegenden Herz. © Christian Schmid

„Es geht um heilende Orte, vor allem um Gemeinschaft in krisenhaften Zeiten“, sagt Christoph Kürzeder im Gespräch mit unserer Zeitung. „Deswegen haben wir für unser Plakat das Motiv gewählt, wie Maria und Elisabeth einander treffen. Zwei schwangere Frauen stehen einander bei. Darin steckt auch der Leitgedanke des Ordens von der Heimsuchung Mariens.“ Der Chef des Freisinger Diözesanmuseums und Leiter des frisch renovierten Klosters Beuerberg (samt Restaurant, Laden, Hotel, Veranstaltungsangebot) hat zusammen mit Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus die Ausstellung „Seelentrost – Was uns heilen kann“ entwickelt.

Die Schau erzählt anhand des Klosterlebens der Salesianerinnen in Beuerberg (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen), wie Menschen in ihrer Religion psychische und physische Gesundheit finden und an andere weitergeben. Die Frauen übernahmen nach den Stürmen der Säkularisation das im zwölften Jahrhundert von Dominikaner-Chorherren gegründete Kloster und führten es zu neuer Blüte. Davon berichtet im ersten Raum nicht nur ein ironischer „Tugendautomat“, sondern vor allem ein Dokumentarfilm (angebracht hinter Klausurgittern) über das muntere Treiben in den heiligen Räumen. Schon hier beweist die Gestaltung, dass es keine biedere kulturhistorische Belehrung geben soll, vielmehr Entdeckungen und Überraschungen, Seltsames und Bekanntes; alles aus den üppigen Sammlungen des Diözesanmuseums.

Der Bogen spannt sich von der Pest bis zu Corona und zum Umgang mit dem Tod (Totenwaschgarnitur). Man erfährt auch von unterdrückten Frauen, die sich emanzipierten und jungen Mädchen beistanden, etwa denen, die aus dem ausgebombten München Zuflucht in der Schule fanden. Weiter spannt sich der Bogen von der wichtigsten Heilsgestalt Jesus bis zur Muttergottes und den Heiligen, aber genauso von der Apotheke bis zum Amulett. Das Ergebnis: Diese Ausstellung hat nichts von Düsternis und Angst. Sie ist, obwohl sie nichts Schreckliches – nicht mal Totenschädel – ausspart, leicht, vielseitig, man traut es sich gar nicht sagen, fröhlich und unterhaltsam.

Schon die Interviews mit den letzten Beuerberger Nonnen, die Kürzeder 2016 geführt hat, sind von Heiterkeit geprägt. Es wird erzählt, vom strengen Klosterleben, mehr jedoch von Freizeit, Festen und Lachen. Diese Filme flimmern in einem gemütlichen Wohnzimmer über den Bildschirm. Die Frauen hatten sichtlich ein erfülltes Leben, das ihnen Seelentrost schenkte und in dem sie Seelentrost spenden durften. Das bezeugen die alten Damen der Kriegsgeneration genauso wie Papiertheater-Szenen, die in die Gründerzeit des Ordens (1610) entführen. In ihnen ist in erträglichem Maß das erschütternde Schicksal von Jeanne-Charlotte de Bréchard (1580–1637) gebannt. Sie wurde von der ersten Salesianerin Jeanne-Françoise de Chantal (1572-1641) gerettet und zu einer großen Stütze der Gemeinschaft, die auf den heiligen Franz von Sales zurückgeht (1567-1622).

Kuratorin und Museumschef sind so offen, dass sie die religiösen Heils-Symbole des Katholizismus/Ordens – intensiv die Herz-Jesu-Verehrung – gerade nicht absolut setzen. Johann Sebastian Bach kommt ausführlich zu Gehör, immer mit „Herz“-Bezug. Und außerdem Künstler unserer Tage, die während der Corona-Zeit heilende Gemeinschaft per YouTube herstellten. Betörend die britischen Sänger mit Henry Purcells barocken Klängen, zu Herzen gehend die deutschen Schauspieler von Maike Droste bis Oliver Stokowski, die abwechselnd Verse des Hohelieds der Liebe vortrugen. Da passt Franz von Sales: „Unsere Vollkommenheit besteht darin, unsere Unvollkommenheit zu ertragen.“SIMONE DATTENBERGER

Die Ausstellung

läuft mindestens ein Jahr, täglich geöffnet von 10-17 Uhr; freier Eintritt. Adresse: Königsdorfer Str. 7; Telefon 08179/ 926 50; klosterbeuerberg.de; Führungen: Sa., So., feiertags 13.30 Uhr, So. auch 11 Uhr; Gastronomie: Café Mo.-Mi. 9-20 Uhr, Refektorium Do.-So. 11-22 Uhr.

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