Bald Chefdirigent der Philharmoniker: Lahav Shani.
Am Sonntagabend spielten die Münchner Philharmoniker unter anderem Werke von Richard Wagner und Felix Mendelssohn Bartholdy. © Marcus Schlaf
Ja, das war schon gewagt von den Münchner Philharmonikern. Denn wenn man sich deren Programm für den zweiten Abend von „Klassik am Odeonsplatz“ betrachtete, ging es da ganz schön stürmisch zu. Sei es die Ouvertüre zu Wagners „Fliegendem Holländer“, bei der Dirigent Lahav Shani die wilde Ostsee klangmächtig hochwogen ließ. Oder später Mendelssohns „Schottische Sinfonie“, für die der Komponist düstere Donnerwolken über den urwüchsigen Highlands grummeln ließ. Das klang fast schon nach einer bewussten Kampfansage an Petrus.
Der ließ sich davon zum Glück jedoch nicht groß provozieren und gönnte den Veranstaltern des Musikevents zum 25. Jubiläum an beiden Tagen erst Sonnenschein, dann einen sternklaren Himmel. Beste Laune im Publikum war garantiert, lange bevor Lahav Shani den Taktstock hob. Und auch wenn der offizielle Dienstantritt als Chefdirigent erst im Herbst erfolgt, kann man bei seinem bereits dritten Auftritt am Odeonsplatz wohl guten Gewissens behaupten, dass Shani längst bei den Philharmonikern und in der Stadt angekommen ist. Ein Maestro der jungen Generation, der sein Orchester einerseits an straffen Zügeln durch die hoch emotionale Mendelssohn-Sinfonie treibt, dabei aber immer ein sympathisches Lächeln auf den Lippen hat.
Von Absagen blieb man allerdings auch trotz mediterraner Temperaturen nicht verschont. Weshalb nach dem krankheitsbedingten Rückzug von Janine Jansen nun Geigen-Shootingstar María Dueñas zu ihrem Odeonsplatz-Debüt kam. Aber natürlich hatte auch die junge Spanierin das populäre Violinkonzert von Max Bruch im kleinen Finger. Dueñas ließ sich da von den Menschenmassen nicht zu plakativen Gesten verleiten, sondern startete überaus ruhig und konzentriert.
Eine Qualität, die ebenfalls im träumerisch zarten Adagio-Satz zum Tragen kam und genügend Steigerungspotenzial für das Finale ließ, bei dem Dueñas und Shani gemeinsam die schweren Geschütze auffuhren und das Publikum mit dieser wilden Jagd in Euphorie versetzten. Und wie schon am Samstag, war auch hier einiges, was aus den Lautsprechern tönte, wohl zusätzlich noch extra knallig abgemischt worden. Aber im Open-Air-Ambiente gehört auch das irgendwie dazu.
Weitere Vergleiche zwischen den beiden Konzerten verbieten sich fast von selbst. Dafür waren die Auftritte des BRSO und der Philharmoniker zum Glück zu verschieden. Was all jenen, die sich das komplette Odeonsplatz-Wochenende gegönnt hatten, spannende Kontraste bescherte. Dies galt schon fürs Rahmenprogramm. Nachdem BR-Moderator Christopher Mann am ersten Tag bei seinem humorvollen Warm-up rund 7000 Menschen dazu animierte, gemeinsam Gershwins „Summertime“ anzustimmen, durfte am Sonntag Oberbürgermeister Dominik Krause die Massen begrüßen. Mit einem Loblied an die verbindende Kraft der Kultur und ihre Bedeutung für die Stadtgesellschaft. Worte, die er sich dann hoffentlich auch selbst zu Herzen nimmt, wenn im Rathaus die nächsten Spardiskussionen auf die Agenda kommen. „Klassik am Odeonsplatz“ kann auf jeden Fall die nächsten 25 Jahre weitergehen.TOBIAS HELL