Bereits zurückgegeben: Werk von Friedrich von Amerling.
Eine ähnliche Picasso-Büste wird jetzt restituiert.
Nicht mehr in den staatlichen Museen, sondern am Institut für Zeitgeschichte wird in Zukunft über die Rückgabe der NS-Raubkunst beraten. © Foto: Archiv
Es soll nur noch gute Nachrichten geben. Und so machten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen vor einem Monat die Rückgabe eines Porträts öffentlich, das einst dem Buchhändler Jacques Rosenthal gehörte. Das „Bildnis eines jungen Mannes“ von Friedrich von Amerling (1833) hatte Rosenthal 1935 in Kommission gegeben, weil er von den Nazis gezwungen wurde, sein Antiquariat in der Brienner Straße zu schließen. Und jetzt gibt der Freistaat sogar einen Pablo Picasso zurück: Die Bronze-Büste „Fernande/Beatrice“ geht an die Erben des berühmten jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim zurück. Und das, obwohl das Restitutionsgesuch 2024 bereits abgelehnt wurde. Die Erben gaben nicht auf, und der Fall wurde erneut geprüft, von dem Ende 2025 neu eingesetzten Schiedsgericht.
Diese erfolgreiche Restitution ist bereits das erste Ergebnis einer Reform. Einer Reform, die die Rückgabe von NS-Raubkunst gerechter, schneller und transparenter machen soll. Seit den jüngsten Skandalen um die fehlerhafte und schleppende Aufarbeitung geraubter Kunstwerke aus jüdischem Besitz hat Kunstminister Markus Blume (CSU) die Provenienzforschung zur Chefsache erklärt – und sie dem Verantwortungsbereich der Museen entrissen. Der Minister verkündete jetzt ein eigenes, unabhängiges Zentrum der Provinienzforschung – eingerichtet im Institut für Zeitgeschichte in München. „Mit klaren Leitlinien und acht Stellen“, verspricht Blume. Eine zusätzliche Kommission – den Vorsitz übernimmt Raphael Gross, Direktor des Deutschen Historischen Museums Berlin –, priorisiert die Fälle und spricht Rückgabe-Empfehlungen gegenüber dem Freistaat aus. Denn, so Blume: Die abschließende Entscheidung, ob, wann und an wen ein Kunstwerk zurückgegeben wird, verbleibe beim Freistaat, als Eigentümer der staatlichen Sammlungen.
Mit diesem Zentrum, welches „einmalig in Deutschland ist“, so Blume, will man Licht in die dunkle Vergangenheit bringen. „So können wir hoffentlich Vertrauen zurückgewinnen.“ Vor einem Jahr musste der damalige Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz, seinen Posten räumen. „Fehlverhalten und Organisationsversagen“, warf man ihm vor. Nachfahren jüdischer Familien mit Kunstbesitz und deren Rechtsanwälte kritisierten die undurchsichtige und langsame Aufarbeitung.
Doch auch wenn die Picasso-Büste jetzt zurückgeht, ist es für die Erben Alfred Flechtheims nur ein Anfang. Markus H. Stötzel, Rechtsanwalt des Flechtheim-Nachlasses: „Dies kann jedoch nur der Anfang sein, da sich viele weitere Kunstwerke, die Flechtheim enteignet wurden, im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und anderer deutscher öffentlicher Museen befinden. Wir warten weiterhin auf die Rückgabe von zwei Gemälden von Paul Klee und weiteren Kunstwerken aus Bayern. Einige dieser Ansprüche wurden bereits im Jahr 2008 angemeldet.“
Auf das Zentrum wartet also viel Arbeit. Und doch ist es nur ein Baustein in Blumes großangelegter „Museumsoffensive“, wie er die komplette Umstrukturierung der staatlichen Museumslandschaft nennt.MARIA ZSOLNAY