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von Redaktion

Entlassung von Staatsballett-Star Julian MacKay: Hätte man sie verhindern können?

Jung, gut aussehend wie ein Filmstar und ein eleganter Tänzer: Julian MacKay im Münchner „Nussknacker“. Seit Anfang der Woche ist er nicht mehr Erster Solist. © Nicholas MacKay

Ginge es um Fußball, würden die Medien heiß laufen. Immerhin: Aufruhr gab es diesmal im Tanz! Der US-Amerikaner Julian MacKay, Erster Solist im Bayerischen Staatsballett seit 2022/23 und gerade am 13. Juli fristlos entlassen, erhält nun im Netz, speziell auf Instagram, die besten Trostworte. Das darf sein. Die Situation für MacKay war/ist sicher schmerzhaft. Aber wäre dieses Malheur, also die Beschwerden des Solisten wie die Reaktion des Staatsballetts – und dies über Wochen hinweg – nicht zu verhindern gewesen? Und zwar mit einem Mediator des Ensembles?

Wir denken: ja. Mackay ist jung, gut aussehend wie ein Filmstar und ein elegant schöner Tänzer. Zu bewundern in der vergangenen Staatsballett-Premiere am 8. Juni im Prinzregententheater, in Petipas technisch kniffligem „Grand Pas Classique“. Für Kenner sichtbar, dass er kein robuster Tänzer ist. Aber der Reiz eines Ensembles mit 62 Mitgliedern ist ja gerade die technische und die darstellerische Vielfalt. Und genau diese Qualitäten sind dann für den Ballettchef und den Choreografen ausschlaggebend für die jeweilige Besetzung. Verständlich ist dies auch für den Tanzlaien.

Was genau in den vergangenen Monaten im Ensemble passierte, bleibt verschwommen. MacKay hat auf Instagram Bedenken geäußert „über etwas, was ich als Fehlverhalten und ungerechte Behandlung in der Ballettsparte empfand“. Er habe die Theaterleitung gebeten, dies zu untersuchen, andernfalls würde er kündigen. Man könnte jetzt hier noch MacKays weitere Anschuldigungen erwähnen. Für juristisch Interessierte im Netz zu finden.

Gut möglich, dass die Argumente von beiden Seiten aneinander vorbeigelaufen sind. Staatsballettchef Laurent Hilaire äußert sich gar nicht. Pressereferentin Annette Baumann teilt mit: „Zu den Gründen der Entlassung können wir aus rechtlichen Gründen keine Stellung nehmen.“ Allerdings seien in einem Zeitraum von mehreren Wochen offizielle und inoffizielle Gespräche mit Hilaire und Vertretern der Staatsoper vorausgegangen. Was letztlich (Ur-)Sache ist: Wir werden es nicht erfahren. Fest steht: Wie in Familien kommt es auch in Kompanien zu Spannungen und Streit.

Für MacKay ist die Karriere jetzt keineswegs zu Ende. Seine Ausbildung unter anderem an der Bolschoi-Ballettakademie in Moskau und seine internationalen Gastauftritte sind weitere Grundsteine für seine Karriere. Gemeinsam mit seinem Bruder, der hierorts auch Ballettaufführungen fotografiert hat, wird er eine auf Tanz spezialisierte Produktionsfirma zum Erfolg führen. Die Lehre, die das Staatsballett dann doch noch daraus ziehen sollte: bei Spannungen einfach einen Vermittler engagieren – wie es in großen Firmen Standard ist.MALVE GRADINGER

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