Schatten über Salzburg

von Redaktion

Die Festspiele starten mit großen Unsicherheiten in die Sommersaison

Tritt er auf? Ex-Intendant Markus Hinterhäuser. © SF

Wer bleibt übrig? Intendantin Karin Bergmann (Mi.), Präsidentin Kristina Hammer und Geschäftsführer Lukas Crepaz.

Schaulaufen der Gala-Gäste: Ab Freitag ist es wieder so weit. © Andreas Kolarik, Neumayr, SF

Der Mann wurde abgesägt. Und trotzdem kann es sein, dass Markus Hinterhäuser im Rampenlicht der Salzburger Festspiele stehen wird, die an diesem Freitag starten. Ein Comeback? Zumindest als Musiker. Der Ex-Intendant, der bekanntlich wegen fehlendem „Wohlverhaltens“ vor die Tür gesetzt wurde, soll am 29. Juli beim Liederabend mit Bariton Matthias Goerne als Pianist auftreten. Und am 11. August soll er sogar mit Igor Levit Werke von Messiaen spielen. So sagt es zumindest die Homepage des Festivals, es gibt noch Restkarten.

Hinterhäuser als Elefant im Raum

Ob es bei den beiden Konzerten zu Solidaritätsaktionen für Hinterhäuser kommt? Noch immer ist umstritten, wie sich die Festspiele, vor allem die Entscheidungsträger um Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) von ihm getrennt haben. Er ist der Elefant im Raum dieser Festspiele, weil alle das Thema totschweigen. Politik und Kuratorium, auch Künstlerinnen und Künstler. Noch vor Wochen gab es offene Briefe mit langen Unterschriftenlisten, Promis wie Regisseur Romeo Castellucci, die diesjährige Carmen-Sängerin Asmik Grigorian oder Igor Levit machten mit. Jetzt sind alle still. Wer fragt, bekommt nur Hintergrundinformationen, keine offiziellen Statements. Offenbar will man seine (auch künftigen) Engagements nicht gefährden und damit die Auszahlung der Gage.

Ohnehin richten die Verantwortlichen der Festspiele den Blick, wenn auch ein wenig krampfhaft, nach vorn. Karin Bergmann hat als Interims-Intendantin die Stimmung beruhigt und selbst ärgste Meckerer von der Palme geholt. Doch wer soll ihr nachfolgen? Die Anhörungen mit den Bewerberinnen und Bewerbern finden wohl erst nach der Sommersaison statt. Bergmann selbst geht davon aus, dass sie schon bald mit der designierten Nachfolgerin die künftigen Jahre plant.

Nachfolgerin? Die Wahrscheinlichkeit für eine Intendantin ist hoch. Lotte de Beer, Direktorin der Wiener Volksoper, war einmal im Gespräch. Doch sie hat energisch dementiert, dass sie sich beworben habe. Elisabeth Sobotka wird großes Interesse nachgesagt, zumal sie sich den Job als Intendantin der Berliner Staatsoper besser vorgestellt haben soll: Da ist zum einen der strikte Sparkurs in der deutschen Hauptstadt, der Kulturinstitutionen gefährdet. Und da ist zum anderen Generalmusikdirektor Christian Thielemann, mit dessen Ego man einfach umgehen muss.

Weitere Namen, die noch kursieren: Matthias Schulz, Intendant des Opernhauses Zürich und früher einmal Konzertchef der Salzburger Festspiele. Oder Serge Dorny, Intendant der Bayerischen Staatsoper. Vor allem aber Barrie Kosky, Ex-Intendant der Komischen Oper Berlin und dank der Salzburger Pfingstfestspiel-Chefin Cecilia Bartoli seit zwei Jahren höchst erfolgreich an der Salzach aktiv. Mal hat er, so ist zu hören, Salzburger Ambitionen verneint, mal könnte er es sich doch vorstellen. Doch als sicher gilt: Wenn Kosky wirklich will, dann wird er es.

Die Debatte kommt für die Festspiele zur Unzeit. Bekanntlich steht der Bezirk am Mönchsberg vor großen Umbaumaßnahmen. Ab 2030 werden die Festspielhäuser geschlossen, Premieren und Konzerte werden in Interimsspielstätten verlagert, eine Halle im Nonntal oder das Messegelände sind im Gespräch. Eine mehr als heikle Situation.

Auch deshalb könnte es auch auf der zweiten wichtigen Position der Festspiele einen Umbruch geben. Kristina Hammer würde gern Präsidentin bleiben, ihr Amt wurde turnusgemäß ausgeschrieben. Wahrscheinlich ist: Die deutsche Kulturmanagerin, von vielen ungeliebt und als nur bedingt geeignet eingeschätzt, muss gehen. Ein möglicher Nachfolger-Name kursiert auch bereits, es ist Alexander Schallenberg, der ehemalige österreichische Außenminister und ÖVP-Politiker. Und dies würde nach dem derzeitigen Proporzdenken wiederum für eine weibliche Besetzung der Intendanz sprechen.MARKUS THIEL

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