UNSERE KURZKRITIKEN

Eitle Abrechnung

von Redaktion

Im Juni 2024 wurde an den Münchner Kammerspielen „Very rich Angels“ von und mit Madame Nielsen uraufgeführt. Kurz nach der Premiere verschwand die dänische Performerin und Autorin vom Besetzungszettel. In „Das Zeitgeisterhaus“ erzählt sie, wie es aus ihrer Sicht dazu gekommen ist. Zwar handelt es sich um einen Roman, doch wer sich ein wenig in der Kulturszene auskennt, kann die Szenen dechiffrieren: Bei internen Auseinandersetzungen hat die Ich-Erzählerin den Hitlergruß gezeigt, um „auf die Überreste der Führerzeit“ hinzuweisen. Daraufhin wurde sie geschasst. Nun gibt es einiges, was an den Kammerspielen zu kritisieren ist. Aber Madame Nielsens Ansatz des Ungefähren scheitert hier. Als Analyse der Vorkommnisse ist „Das Zeitgeisterhaus“ ungeeignet, weil fiktionalisiert und ohne echtes Interesse an Fakten. Als Roman taugt das Buch jedoch auch nur bedingt, weil der Autorin sichtlich an der Abrechnung gelegen ist. Übrigens: Dernière von „Very rich Angels“ ist am 28. Juli.LEIC

Madame Nielsen:

„Das Zeitgeisterhaus“. Alexander Verlag, 136 Seiten; 22 Euro.


★★☆☆☆ Erträglich

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