In gelben Umschlägen werden in der Türkei Amtsbriefe und Kündigungen verschickt. Die titelgebenden „Gelben Briefe“ in Ilker Çataks großartigem Spielfilm verheißen also nichts Gutes. Das Drama des Berliner Regisseurs über eine liberal denkende Künstlerfamilie, die ins Visier eines autokratischen Regimes gerät, ist vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Goldenen Bären. Ein Siegeszug rund um die Welt ist dieser fantastischen Produktion zu wünschen. Zeigt sie doch, wie schnell ein gesichtsloser Staat mit immer neuen Sanktionen den Handlungsspielraum der Andersdenkenden einschränkt. Bald sitzen der Uniprofessor Aziz und die gefeierte Schauspielerin Derya mit Tochter nicht mehr in der schönen Eigentumswohnung, sondern in der beengten Bude von Aziz‘ Mutter. Die Moral zahlt keine Rechnungen. Beunruhigend aktuell.ULF
Ilker Çatak:
„Gelbe Briefe“ (Alamode).
★★★★★ Hervorragend