Musik für die Seele

von Redaktion

Zaz umarmt ihr Publikum beim Tollwood-Konzert

Geballte Power mit Gefühl: die französische Sängerin Zaz, hier bei einem früheren Auftritt. © Tollwood

Eigentlich müsste dieses Konzert die Krankenkasse bezahlen: Die Zaz-Songs wirken wie eine Kur gegen die allgemeine Depression angesichts der Kriege und Krisen. Die französische Sängerin schafft es, einerseits all die drückenden Sorgen der Gegenwart zu thematisieren. Andererseits wirbelt die 46-Jährige mit derartiger Energie und trotziger Fröhlichkeit über die Bühne, dass jeder der 6000 Zuschauer mit einem seligen Lächeln das ausverkaufte Tollwood-Zelt verlassen durfte.

So singt Zaz „Mon cœur, tu es fou“ zu einem Gedicht der Iranerin Forugh Farrochzad – ein Statement für den Kampf der iranischen Frauen um ihre Freiheit, aber auch ein Beispiel für Zaz‘ Lebensphilosophie: Wenn wir alle zusammenhalten, dann wird die Welt gut!

Und tatsächlich ist alles gut, wenn Isabelle Geffroy alias Zaz ihre Hits wie „On ira“, „Éblouie par la nuit“ oder „Qué vendra“ zelebriert. Mal kniet sie dabei wie im Gebet am Boden, mal wirbelt sie wie ein Derwisch um sich selbst, dann hüpft sie wie ein Springteufel – so wild, dass ein Techniker ihre Mikros am Rücken neu befestigen muss, während sie ungerührt weiter singt.

Es ist die Mischung aus emotionalen Chansons, spaßigen Tanz-Rhythmen und verspieltem Jazz, der den ganz besonderen Zaz-Flair ausmacht. „Sie dringt direkt zu deiner Seele durch“, hat der große Charles Aznavour einst über seine junge Kollegin gesagt. Und diese Gabe ist der Grund, warum die oft bemühten Edith-Piaf-Vergleiche nicht übertrieben sind.

Das Publikum in München ist erstaunlich textsicher, lässt sich von Zaz immer wieder zum Mitsingen animieren. Aber auch die Fraktion ohne Französisch-Leistungskurs kommt auf ihre Kosten, denn die Liedtexte werden teilweise auf der Leinwand eingespielt – und Zaz liest sogar einige ihrer Botschaften auf Deutsch vor.

Ein Höhepunkt des Konzerts ist, als sie singend bis zum hintersten Platz im Tollwood-Zelt spaziert, dabei immer wieder Fans umarmt und so eine Nähe erzeugt, die sagt: Eigentlich will ich euch alle in die Arme schließen! Als Zugabe kommt natürlich auch ihre Hymne, die sie vor 16 Jahren weltberühmt gemacht hat: „Je veux“. Es ist wirklich erstaunlich, dass Zaz selbst dieses von ihr unzählige Male gesungene Lied immer noch mit solcher Frische, mit so viel Energie bringen kann, als würde sie es hier und heute zum ersten Mal auf die Bühne bringen.

Das Publikum will nicht aufhören zu jubeln – und Zaz will auch nicht wirklich gehen. Sie nimmt uns nach den Zugaben mit ihrer kleinen Hand-Kamera bis in den Backstage-Bereich mit, wo sie uns augenzwinkernd sogar noch die Toiletten für Künstler und Techniker zeigt. In die Stille nach einem ihrer Chansons ruft ein begeisterter Fan hinein: „Merci beaucoup!“ Dem kann man sich nur anschließen: Danke, Zaz, für dieses große Konzert!KLAUS RIMPEL

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