Im Mittelwesten sind die Wege und die Flächen weit. Kevin Morbys Musik fängt die Landschaft seiner Heimat perfekt ein. Aber nicht als Americana-Genrebilder – seine Songs sind Selbstporträts von unterwegs auf dem Roadtrip des Lebens. Live fegen noch intensiver Bluesrock-Stürme durch die Countryfolk-Ebenen. Das Konzert im vollen Technikum war zudem der letzte Tour-Abend zum neuen, wunderbaren Album „Little wide open“. Und hatte diese besondere Energie wie nach einer zu langen Fahrt, während der man das Ziel fast erreicht: eine elektrisierende Mischung aus glücklicher Erschöpfung und Aufgekratztheit. Die Band war bestens eingespielt; Morby ein Reiseführer, der bei aller Erkenntnis noch immer staunend auf die Welt und das Menschsein schaut. Es gab zwischendurch eine Lach-Therapie mit Clown-Crowdsurfing. Und am Schluss Bühnendeko-Sonnenblumen fürs enthusiasmierte Publikum. Endlich hatte man mal wieder das Gefühl: Vielleicht waren die USA doch keine so blöde Idee.THOMAS WILLMANN