KRITIK IN KÜRZE

„Norma“ bei den Opernfestspielen

von Redaktion

Eine Berührung gibt es hier im Doppelsinn: Das gilt fürs Publikum, wenn bei „Casta Diva“ die Augen feucht werden. Das gilt aber erst recht für die jeweilige Sopranistin, über der während dieser Arien-Takte die Übermacht aller legendären Vorgängerinnen zusammenstürzt. Auch Elena Stikhina hört man das an bei dieser „Norma“-Wiederaufnahme anlässlich der Münchner Opernfestspiele. Zunächst wird vokal einiges abtaxiert, doch singt sie sich zunehmend frei. Stikhinas Stimme passt exzellent zu dieser Gipfelpartie: viel Substanz, viel Mittellage, keine verspannten Verzierungen, alles sauber hingelegt. Letzteres ist auch ein kleines Problem: Die gebürtige Russin bleibt eine Spur zu cool, zu kalkuliert. Anders Emily Sierra (Adalgisa). Sie mag nicht ganz über eine vergleichbare Stimmdimension verfügen, doch sie nutzt als Ensemblemitglied ihre Chance mit beherzter, offensiver Gestaltung. Das Tenorschwert des verlässlichen Najmiddin Mavlyanov (Pollione) ist etwas stumpf. Dirigent Giacomo Sagripanti meidet mit dem Staatsorchester alle Knalleffekte: eine kantable, klanglich gerundete, (zu) wohlerzogene Deutung.MARKUS THIEL

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