Völlig losgelöst

von Redaktion

Helene Fischer beendet ihre Stadiontour vor 71.000 Fans in der Münchner Allianz Arena

Über zwei Stunden in Bewegung: 20 Tänzer unterstützen sie auf einer Rundbühne über dem Mittelkreis. © Martin Hangen

„Auf Du und Du mit dem Publikum gibt sich ein Star, der alle Grenzen sprengt. © Martin Hangen

Schon der Beginn ist spektakulär: Im knallig roten Lack-Look schwebt Helene Fischer in die Arena. © Martin Hangen

„Mir geht ein bisschen der Stift“, bekennt Florian Silbereisen auf der Bühne. Seine Aufregung teilen tausende Fans, denn als der Ex von Helene Fischer plötzlich auf der Leinwand erscheint, tönt ein lautes Kreischen durch das Stadion. „In dem Song geht es um unsere Geschichte“, sagt sie. „Flori, es ist so schön, dass du da sein kannst!“ Zehn Jahre lang galten Florian Silbereisen und Helene Fischer als Traumpaar der Schlagerszene, ehe sie sich 2018 trennten.

Berührendes mit Florian Silbereisen

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Fischer mit Silbereisen das Duett „Schau mal herein“, ein Hit in den Sozialen Netzwerken. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir mit über 40 noch Tiktok-Stars werden“, grinst sie auf der Bühne. Die beiden lachen sich während des Songs an und umarmen sich, ein berührender Moment voller Intimität. Nichts davon wirkt gestellt, und man glaubt Helene Fischer, als diese hinterher ausruft: „War viel zu kurz. Ich hab‘ es geliebt. Das nächste Mal kommst du mit auf Tour!“ Silbereisen war einzig in München dabei, zum Tourfinale der monumentalen „360°“-Stadiontour in 15 Städten mit insgesamt über 750.000 Fans.

Bereits bei der Anfahrt zur Allianz Arena begrüßte Helene Fischer über die Lautsprecher in der U-Bahn die anreisenden Fans. Ein kleines Detail mit großer Wirkung. Dann der Schock bei der Ankunft am Stadion: Eine Unwetterwarnung mit Starkregen wird über die Leinwände verkündet und sorgt für bange Minuten. Letztlich hat der Wettergott aber ein Einsehen, es bleibt bei einem kurzen Gewitterregen.

Das Konzert beginnt später, aber spektakulär: Im knallig roten Lack-Look schwebt Helene Fischer in die Arena ein. 20 Tänzer hat sie dabei, zwölf Bandmitglieder unterstützen sie auf der Rundbühne, die über dem Mittelkreis thront. Breite Stege führen seitwärts von der Bühne weg. Trotz 71.000 Fans in der ausverkauften Allianz Arena will sie so nahbar wirken. Der Plan geht auf, weil sie immer in Bewegung ist. Ihr Schrittzähler muss an diesem Abend durchdrehen, denn sie umkreist unaufhörlich die Bühne, lächelt ins Publikum und plaudert mit ihm. Durch die riesigen Leinwände wirkt sie ganz nah. Sie weiß immer, in welche Kamera sie schauen muss, und schafft durch geschickt eingebaute Tricks noch mehr Intimität.

Da sind beispielsweise zwei kleine Mädchen im Publikum, die gerne mit Helene Fischer ein Lied singen würden. Die sechs und neun Jahre alten Fans bittet sie auf die Bühne, stimmt mit ihnen „Heute Nacht“ an. Die jüngere der beiden präsentiert stolz ihre frische Zahnlücke in die Kamera, ein echter Fischer-Moment, der das Stadion begeistert.

Der berührendste Teil der Show ist allerdings eine Akrobatiknummer mit ihrem Lebenspartner Thomas Seitel, der mit ihr und den beiden Töchtern in Inning am Ammersee lebt. An einem Seil schweben beide durch das Stadion. Kopfüber hängt sie stellenweise über den Köpfen der Zuschauer, wird durch die Luft gewirbelt und singt trotz allem ohne jegliche Wackler weiter. Liebevoll umarmt sie Seidel und findet sogar die Zeit für einen „Spiderman-Kuss“, bei dem sie ebenfalls kopfüber hängt. Spätestens jetzt hat die Menschenfischerin vom Ammersee vermutlich jeden im Publikum an der Angel. Das Stadion erhebt sich und jubelt der Schlagerkönigin zu, huldigt ihr.

Kostümwechsel im Rekordtempo

Die perfekte Show wird abgerundet durch ihre Outfits, von denen eines funkelnder als das andere ist. Im Rekordtempo wechselt sie diese zwischen den Songs und verpasst trotzdem keinen Liedeinsatz. Nebenbei zieht sie den Hut vor Hollywood und zeigt sich in einer James-Bond-Sequenz auf der Leinwand. In einem Rosenmeer spielt sie wenig später auf eine ikonische Szene aus dem Filmklassiker „American Beauty“ an.

Mit Schlager hat das nur noch textlich zu tun, denn musikalisch sprengt sie alle Grenzen. Da wandelt sie sich kurzzeitig zur Latin-Tänzerin, fährt Elektro-Beats auf und bringt mit „Herzbeben“ sogar Rock und Techno zusammen. Im großen Finale sprühen nach über zwei Stunden Funken von der Bühne, Raketen zischen durch die Arena, Feuerwerk explodiert. „Ich könnte mir keinen schöneren Tourabschluss vorstellen als heute Abend bei euch in München“, bekennt Helene Fischer ergriffen. „Danke für die Liebe!“MICHAEL HELLSTERN

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