Lässige Dinosaurier

von Redaktion

Deep Purple beschließen Tollwood-Festival

Ian Gillan führte souverän durch den Abend. © D. Falke

Alte, Junge, Ausgeflippte, Normalos, Frauen, Männer – wenn man das sehr bunte Publikum betrachtet, käme man wohl kaum darauf, welche Band 2026 das Tollwood-Festival beschließt: Deep Purple. Es ist noch gar nicht so lange her, da galten die Rock-Dinosaurier als Auslaufmodell, aber die fünf Herren sind wieder gefragt. Sehr zu Recht übrigens. Nach dem Ableben des Keyboarders Jon Lord und dem Ausscheiden von Gitarrist Ritchie Blackmore hat sich die Band einer Frischzellenkur unterzogen und vom Ballast der eigenen Legende befreit.

Die neuen Alben, aktuell „Splat“, klingen überraschend gegenwärtig, die Auftritte sind seit Jahren erfreulich unprätentiös. Die fünf Herren, allen voran Sänger Ian Gillan, wirken noch sehr agil, ohne sich als Berufsjugendliche zu gebärden. Gillan ist immerhin schon 80 und kann nicht mehr so manisch über die Bühne toben wie einst. Aber die Stimme hält noch beachtlich. Er transponiert die alten Hits vernünftigerweise in eine passende Stimmlage. Klingt trotzdem gut, und auch die Rhythmusgruppe mit Ian Paice am Schlagzeug und Roger Glover am Bass treibt zuverlässig nach vorn.

Der neue Gitarrist Simon McBride ist eine Bereicherung, er spielt rotzig und trocken, das macht die Lieder etwas scharfkantiger. Das klingt zeitgemäß, ohne sich anzubiedern. Und vor allem ist er ein Teamplayer, dem es nicht darum geht, seine Virtuosität auszustellen. Kurzum: Deep Purple legen einen formidablen Auftritt hin und bieten ihre Klassiker schön angeraut dar. Gut die Hälfte des Programms bestreiten die Briten mit Material aus ihren Meilensteinen „In Rock“ und „Machine Head“, den Abräumer „Smoke on the Water“ eingeschlossen. Man weiß, was man treuen Fans schuldet. Einerseits. Andererseits hat man als Legende seinen Stolz und spielt aktuelle Songs, die tatsächlich gut ankommen, „Arrogant Boy“ etwa, was Ian Gillan sichtlich Genugtuung bereitet. Als aufgeräumter Eintänzer führt er souverän durch den Abend. Mit „Black Night“ wird man rausgeschmissen und hat Hoffnung: Man kann halbwegs in Würde altern und ein lässiger Hund werden, ohne peinlich zu sein.ZORAN GOJIC

Artikel 4 von 6