Räume voller Sinnesfreuden

von Redaktion

Der Nachwuchs präsentiert sich bei der Jahresausstellung der Münchner Akademie

Eine Glasskulptur von Luis Weiland. © Götzfried

Einladung zum Innehalten: Camilla Prey mit einem Stab, von dem Wachs tropft. © Götzfried

Grenzgänge mit Fantasie: Maya Nikolov vor ihrer Wandinstallation. © Markus Götzfried

Als es anfängt zu regnen, hat Karen Pontoppidan das Wichtigste bereits gesagt: „Es gibt keinen Raum ohne Grenzen.“ Die Präsidentin der Akademie der Bildenden Künste hält ihre Begrüßungsrede auf den Stufen vor der Akademie: „Der künstlerische Freiraum hat seine Grenzen dort, wo Rechte und Freiheiten anderer verletzt werden.“ Enger aber dürfe Kunst nicht eingeschränkt werden, schon gar nicht von der Politik. Die Akademie müsse „eine Bastion der Vielfalt und des offenen Diskurses sein“, sagt Pontoppidan zur Eröffnung der Jahresausstellung.

Was in dieser Münchner Bastion entsteht, lässt sich bis kommenden Sonntag besichtigen: Studierende der Akademie zeigen Werke aus den Genres Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Architektur und Performance. Manche setzen sich mit Künstlicher Intelligenz oder moderner Kriegsführung auseinander. Für andere stehen Sinneseindrücke im Fokus.

Sonja Tittl zum Beispiel interessiert sich für Klang. Ihre Installation heißt „Am Rand der Lippe ruht der Ton“. Drei große Keramikpfeifen, die mit einem Blasebalg verbunden sind. Zieht man diesen leicht auf, ertönen tiefe, lang gezogene Klänge. „Beruhigend“ findet eine Besucherin das. Als Tittl zeigt, wie man auch Melodien spielen kann, versuchen es weitere Gäste. Schon kurz nach der Eröffnung hat Sonja Tittl das Ziel ihrer Arbeit erreicht: Menschen durch das gemeinsame Erforschen von Klängen zusammenzubringen.

Zwei Stockwerke darüber läuft Camilla Prey im Kreis. Vor sich her bewegt sie einen Stab, der waagerecht an einer Schnur von der Decke hängt. An seinen Enden brennen Kerzen, von denen Wachs tropft. So zeichnet die Linie des Stabs allmählich einen schwarzen Kreis auf den Boden. Für Prey ist die Performance eine konstante Verhandlung mit dem Stab: Wer gibt das Tempo vor? Wer führt, wer folgt? Für manche mag die Ruhe der Performance eine Einladung zum Innehalten sein, für andere eine Erinnerung an das Vergehen der Zeit.

Luis Weiland baut Skelette aus Glas. Im Teich des Akademiegartens kauert eine seiner Figuren scheinbar auf der Wasseroberfläche. Das gläserne Skelett wird fast erdrückt von einem massiven Stein. Die Idee für seine Arbeit entspringe oft einem Gefühl, erklärt Weiland. „Dieses Mal war es die Last des Lebens, wenn wir wirklich schon fast gebrochen sind.“ Ob die Figur sich in der regenrauen Oberfläche des Wassers erkennen könne, sei fraglich, sagt Weiland. „Sie ist ja aus Glas. Aber was sie bestimmt sieht, ist der Stein auf ihrem Rücken.“

Es ist diese Vielfalt, die Akademie-Präsidentin Pontoppidan meint, wenn sie über Kunstfreiheit spricht. Kunst kann politisch sein. Sie kann sich aber auch um Wachskreise, Klänge und die Last des Lebens drehen. Denn so schafft sie in Pontoppidans Worten „Räume für Begegnung, für Widerspruch und für Empathie“.ELLA ADAM

Bis 26. Juli,

14 bis 20 Uhr,
Sa. und So. 11 bis 20 Uhr.

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