BUCH

Unangenehme DDR-Wahrheiten

von Redaktion

In Halle an der Saale brodelte es bereits Wochen vor dem DDR-weiten Volksaufstand vom 17. Juni 1953 – etwa unter den unzufriedenen Arbeitern im LOWA-Werk. In dieser angespannten Lage spielt der Roman von Eva Kranenburg. Hauptfigur Tilla, eine staats- und stalintreue Siebzehnjährige, bekommt die Nervosität in der Stadt zunächst nur am Rande mit, denn sie sucht ihre beste Freundin Rena. Die ist spurlos verschwunden, nach und nach stellt sich heraus, dass sie nicht diejenige war, für die Tilla sie gehalten hatte. Auf ihrer Suche findet Tilla noch andere unangenehme Wahrheiten: über ihren Verlobten, ihren Vater – und schließlich über den Staat, von dem sie bislang so überzeugt war. Kranenburg erzählt das über weite Strecken plausibel, an einigen Stellen wäre man als Leserin vielleicht gern selbst zu den Schlussfolgerungen gekommen, die das Buch deutlich nahelegt. Dennoch: eine mitreißende Geschichte in historischem Kontext.JP

Eva Kranenburg:

„Falls jemand fragt, wer wir waren.“
hanserblau, 288 Seiten; 22 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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