René Goscinny mit seiner kleinen Tochter Anne. © Diogenes
René Goscinny starb nicht an seinem Schreibtisch, sondern auf einem Ergometer. Während eines Belastungstests beim Kardiologen erlitt der Schöpfer von Asterix, Lucky Luke und Der kleine Nick 1977 einen Herzinfarkt. Er wurde nur 51 Jahre alt. Seine Tochter Anne war damals neun. Jahrzehnte später schreibt sie ihm einen Brief, den sie als Kind nie schreiben konnte. Daraus entstand „Das Klimpern der Schlüssel“, das anlässlich des 100. Geburtstags ihres Vaters am 14. August erstmals beim Diogenes-Verlag auf Deutsch erscheint.
Wer eine Hommage an den berühmten Comicautor erwartet, wird überrascht. Anne Goscinny interessiert sich nicht für den Mythos René Goscinny, sondern für den Vater, dessen Abwesenheit ihr ganzes Leben geprägt hat. Ihr schmales Buch ist weder Biografie noch Erinnerungsband, sondern eine literarische Annäherung an die Erfahrung, viel zu früh einen Elternteil zu verlieren.
Auf nicht einmal hundert Seiten erzählt sie mit sprachlicher Klarheit von Trauer, Sehnsucht und den vielen kleinen Momenten, in denen der Verlust spürbar bleibt. Der Titel verweist auf das Klimpern der Hausschlüssel des Vaters – jenes Geräusch, das einst seine Heimkehr ankündigte und nach seinem Tod für immer verstummte. Aus solchen Erinnerungsbildern entwickelt Anne Goscinny eine Erzählung, die nie sentimental wird. Sie schildert den Versuch, den Vater über sein Parfum, alte Tonaufnahmen oder Fernsehauftritte festzuhalten, beschreibt die Suche nach Ersatzvätern und erzählt von der Begegnung mit jenem Kardiologen, bei dem ihr Vater starb.DPA