Gefragtes Showtalent: Hazel Brugger. © Jens Koch/dpa
Auf dem Stier durch die Nacht: Hazel Brugger als Europa auf ihrem aktuellen Tourplakat. © Marina Weigl
Hazel Brugger ist die Allzweckwaffe der deutschen Fernsehunterhaltung – und eine begnadete Kabarettistin obendrein. Am 17. und 18. Oktober tritt die schlagfertige 32-Jährige im Circus Krone auf. Ein Gespräch mit der Weltbürgerin (geboren in den USA, aufgewachsen in der Schweiz, sesshaft in Hessen) und zweifachen Mutter über Deutschland, Komik im Alltag und Touren mit Kindern.
Frau Brugger, ihr neues Programm heißt „Good Evening Europe“ – das kennen wir von Ihrer Moderation des Eurovision Song Contest. Aber auf Ihrem Foto ist es schon zappenduster. Wie können wir verhindern, dass es bald heißt: „Gute Nacht, Europa“?
Ich finde, man darf nicht unterschätzen, wie unterschiedlich einerseits die Einwohnerinnen und Einwohner Europas sind, was das aber auch für ein riesiger Vorteil sein kann. Das könnte man viel besser nutzen – Europa könnte sich aufstellen wie am Anfang von diesem Film, wo sie das Casino ausrauben. Kennen Sie „Ocean’s Eleven“?
Na klar.
Das wäre doch eigentlich eine coole Herangehensweise, wenn wir einfach sagen: Wir haben einen Kontinent, da brauchen wir jetzt noch jemanden, der so ist, dann brauchen wir jemanden, der so ist, dann brauchen wir eine Landschaft, die das bietet, und eine, die was anderes bietet.
Sie meinen, erst die Summe der unterschiedlichen Teile ergibt den starken Kontinent? Was wäre Deutschland im „Ocean’s Eleven“-Kontext – George Clooney?
Ich glaube, Deutschland sieht sich schon gerne als George Clooney Europas. Aber ja, warum nicht? Sie müssen es halt dann einfach rocken und nicht nur auf Kaffeewerbung reduziert werden.
Sie selbst sind als zugezogene Südhessin ja nah dran an den normalen Deutschen.
Also, normal würde ich das nicht nennen, aber es ist nett, dass Sie so großzügig mit dem Odenwälder an sich umgehen.
Wie ist der Odenwälder denn in Wirklichkeit?
Erstaunlich nett, und trotz manchmal fehlender Eloquenz nicht auf den Mund gefallen. Aber mitunter denkt man sich: „Wieso sagst du das jetzt?“ Mein Nachbar von gegenüber zum Beispiel, der hat einen Jagdschein. Und als ich den Bambi gewonnen habe, hat er nicht gesagt: „Herzlichen Glückwunsch zum Bambi.“ Sondern: „Pass auf, dass ich dir nicht deinen Bambi abknall.“
Es ist schon bemerkenswert: Sie als Kosmopolitin …
… wohne freiwillig in Hessen. Ja, das ist eigentlich Wahnsinn, ein Zeichen geistiger Zerrüttung. Aber man könnte es auch positiv sehen: Ich gehe dahin, wo es wehtut.
Wie geht’s bei Ihnen zu Hause eigentlich zu? Sie sind mit ihrem Kollegen Thomas Spitzer verheiratet – zwei Comedians mit zwei kleinen Kindern: Das kann nicht immer nur die Viel-Spaß-GmbH sein, oder?
Doch, also zwei von uns sind eigentlich immer sehr lustig. Und dann sind auch noch Thomas und ich da.
Wie läuft es mit den Kindern auf Tour?
Es geht. Aber es ist schon auch mit viel mehr Anstrengung verbunden. München war tatsächlich mein erster Auftritt als Mutter, da war meine große Tochter fünf Monate alt. Und mir fiel auf: Krass, die ganze Zeit, die ich eigentlich sonst zum Erholen habe, ist mit Beschäftigung voll. Auch das Zugfahren: Ich weiß überhaupt nicht, warum Leute sich beschweren, wenn der Zug Verspätung hat, wenn sie kein kleines Kind dabeihaben.
Jetzt kommen Sie wieder nach München. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Ich finde München einfach sehr schön. Im Vereinsheim in Schwabing hatte ich meinen ersten deutschen TV-Auftritt, und im Circus Krone habe ich mein letztes Programm aufgezeichnet, ich liebe einfach die Atmosphäre dort.
Mich erinnert Ihr Werdegang an den von Barbara Schöneberger und sogar von Thomas Gottschalk – Sie sind als freche Newcomerin rasch zur Allzweckwaffe im Showgeschäft geworden.
In Teilen deute ich das als Kompliment.
Nach der ESC-Moderation: Würde Sie eine große Samstagabendshow reizen? „Wetten, dass..?“ etwa? Die Außenwette haben Sie ja schon mal moderiert.
Ich würde einfach gerne noch mal die Außenwette moderieren, die ist viel cooler. Und ich finde auch die Kaulitz-Brüder wirklich eine fantastische Wahl zur Moderation von „Wetten, dass..?“.
Aber die wollen ja nur ein Mal.
Gut, reizen würde es mich schon. Aber es gibt da immer noch sehr viele andere Leute, die mitentscheiden und die den Arbeitsfluss nicht unbedingt ins Kreative unterstützen. Ich drücke mich jetzt mal diplomatisch-schweizerisch aus.
Sie wirken auf diesen großen Bühnen oft ein wenig wie im falschen Film – und es funktioniert genau deshalb, weil Sie so respektlos an die Sache rangehen.
Ganz ehrlich, ich denke mir einfach: Im schlimmsten Fall muss ich das nicht noch mal machen, und das ist ja auch schön. Ich kann allen Leuten nur raten: Seid im Privatleben erfüllt, dann ist alles andere wirklich nicht so wichtig.
Karten
für den 18. Oktober gibt es von 39 bis 69 Euro im Vorverkauf. Der 17. Oktober ist bereits ausverkauft.