Hellabrunn schläfert Robben ein

von Redaktion

Gefährliche Bakterien in der Polarwelt – Maßnahme zum Infektionsschutz

Eine Mähnenrobbe bei der Eröffnung der Hellabrunner Polarwelt im Jahr 2017. © Oliver Bodmer

Mussten eingeschläfert werden: Zwei Mähnenrobben aus dem Tierpark Hellabrunn. © Tierpark Hellabrunn/Julien Huber

Das Wasser plätschert im Robbenbecken der Polarwelt im Münchner Tierpark Hellabrunn weiter munter vor sich hin, die Bewohner suchen die Besucher des Tierparks allerdings vergeblich. Die beiden letzten Mähnenrobben mussten in dieser Woche eingeschläfert werden, wie der Tierpark jetzt mitteilte.

Der Grund dafür war der Nachweis von Mykobakterien, die bei Robben, Seelöwen und anderen Säugetieren Tuberkulose auslösen können. „Es gab in den vergangenen Jahren mehrere unerwartete Todesfälle bei unseren Mähnenrobben“, sagt eine Sprecherin des Tierparks auf Anfrage unserer Zeitung. Bei diesen bestätigte sich in der Pathologie und bei weiterführenden Untersuchungen der Verdacht hinsichtlich der Mykobakterien. Auch die 2021 und 2023 geborenen Jungtiere „Vaiana“ und „Xana“ starben an der Infektion.

Die Bakterien sind tückisch. „Eine Infektion mit Mykobakterien lässt sich bei lebenden Tieren häufig nicht eindeutig nachweisen oder ausschließen“, erklärt Hellabrunns leitende Tierärztin Christine Gohl. Durch den Bakterienverdacht waren umfassende Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen nötig geworden. Die Münchner Tiere konnten weder an andere Zoos abgegeben werden, noch konnten neue Mähnenrobben in Hellabrunn aufgenommen werden. Der letzte Abgang war demnach Bulle „Pepe“ an den Söstö Zoo nach Ungarn.

Letztlich blieben nur noch zwei Tiere, ein Weibchen und ein älteres Männchen, übrig. Diese wurden jetzt aus Gründen des Tier- und Infektionsschutzes und zum Schutz der Mitarbeiter eingeschläfert. „Eine Entscheidung zum Einschläfern treffen wir niemals leichtfertig. Sie setzt eine sorgfältige veterinärmedizinische, tierschutzrechtliche und ethische Prüfung voraus. Nach intensiver Abwägung aller Möglichkeiten sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass dies die verantwortungsvollste Lösung war“, erklärt Tierpark-Chef Rasem Baban. Die endgültigen pathologischen Untersuchungsergebnisse für die beiden eingeschläferten Tiere stehen noch aus.

Wie geht es nun mit dem Robbenbecken weiter, das zur erst 2017 neu eingeweihten Polarwelt gehört? „Vorerst werden umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt“, sagt die Hellabrunn-Sprecherin auf Nachfrage. Und fügt hinzu: „Nach den aktuellen Entwicklungen wird dann erst über die künftige Besetzung der Anlage beraten. Über die weiteren Planungen wird zu gegebener Zeit informiert.“MARC KNIEPKAMP

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