Ihre Leichen wurden nie gefunden

von Redaktion

Der Fall Maria und Tatiana Gerzuski – Kritik am Totschlag-Urteil gegen Roman H.

Bis heute ist unklar, was mit Maria (links) und Tatiana Gerzuski passierte. Ehemann und Stiefvater Roman H. wurde rechtskräftig verurteilt. © Polizei

Zwei Frauen verschwanden spurlos – mitten in München. Der Fall von Maria und Tatiana Gerzuski sorgte 2019 als „Mord ohne Leichen“ für Schlagzeilen. Am Ende wurde Ehemann und Stiefvater Roman H. zu 14,5 Jahren Gefängnis verurteilt – wegen Totschlags. Mit Laurent Lafleur und Antje Brandes saßen zwei Experten auf dem True-Crime-Podium, die eng mit dem Fall befasst waren. Er als damaliger Vertreter der Staatsanwaltschaft, sie als Anwältin der Nebenklage von Tatianas leiblichem Vater. Laut Urteil brachte Roman H. seine Frau im Streit um – und Tatiana, weil sie Zeugin wurde. Für Brandes war klar, dass die Tötung der Stieftochter ein „reiner Verdeckungsmord“ nach der Tat an der Mutter war. Eine Einschätzung, die Lafleur teilte. Der Bundesgerichtshof sah dies allerdings anders – die Revision gegen das Münchner Urteil wurde dort 2022 verworfen.

Für Bestürzung sorgte beim True-Crime-Abend bei den Zuschauern, dass bis heute unklar ist, was genau mit der Deutsch-Russin und ihrer Tochter passiert ist. Tatiana wurde am 13. Juli 2019 auf dem Heimweg von ihrer Sprachschule von Kameras in der S-Bahn aufgenommen. Ein letztes Lebenszeichen war eine Handynachricht mittags an eine Freundin. Tage später meldete Roman H. beide Frauen als vermisst. Sie seien nicht vom Shoppen heimgekommen. Schon auf der Dienststelle fielen den Beamten Widersprüche auf. Was auch für Lafleur sofort auffällig war: Die Polizei fand Tatianas Handy in der Wohnung der Familie in Ramersdorf. „Welche 16-Jährige geht ohne Handy shoppen?“, fragte er.

Der Stiefvater galt als Tatverdächtiger, nachdem in einem Waldstück ein Teppich mit Blutspuren gefunden worden war. In der Wohnung entdeckten die Ermittler weiteres Blut an Möbeln. Wie Brandes erklärte, seien Spuren an Wänden hektisch überweißelt worden. Um die Ehe der Gerzuskis habe es nicht gut gestanden, erzählte die Anwältin. Am Tag des Verschwindens hatten Nachbarn laute Geräusche aus der Wohnung gehört. Die Akten des Falles füllen 23 Bände. Von den Frauen: keine Spur.NAH, THI

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