Der Sprengel der Agilolfingerschule soll verkleinert werden – mit Folgen für Geschwisterkinder. © Marcus Schlaf
Geburtenstarker Jahrgang: Im Sprengelbereich der Grundschule am Agilolfingerplatz in Untergiesing kommen besonders viele Kinder ins schulpflichtige Alter. Deshalb soll nun der Sprengel verkleinert werden, um eine Überlastung der Schule zu vermeiden. Das Problem dabei: Üblicherweise besuchen Geschwister dieselbe Schule. In Untergiesing könnte einigen nun aber eine Trennung drohen.
Ihr älteres Kind sei bereits an der Grundschule am Agilolfingerplatz eingeschult, berichtet eine Mutter dem zuständigen Bezirksausschuss (BA). Das Geschwisterkind soll nun aber die weiter entfernte Grundschule am Mariahilfplatz besuchen. Bei einer Sprengeländerung kann ein Gastschulantrag gestellt werden. Ursprünglich sei der Mutter signalisiert worden, dass solche Anträge großenteils genehmigt würden. Nun sei das jedoch nicht mehr sicher.
Die Eltern fühlen sich allein gelassen: „Keiner weiß genau: Was entscheidet das Schulamt, was entscheidet die Regierung von Oberbayern, was entscheidet das Referat für Bildung?“, sagt die Mutter. „Es ist ein Grundproblem der Familienpolitik in einer Stadt, die sich familienfreundlich nennt, dass man bei Sprengeländerungen nicht von vornherein festlegt, dass Geschwisterkinder berücksichtigt werden.“
Die Empörung teilen auch die BA-Mitglieder. Immer wieder hätten die Prognosemodelle des Referats für Bildung und Sport (RBS) falschgelegen. Aufgrund von unzuverlässigen Zahlen Geschwister zu trennen, sei unzumutbar. „Die Folgen einer Fehlplanung können nicht auf dem Rücken der Kinder und der Eltern ausgetragen werden“, erklärte Helga Hügenell (SPD). „Man braucht Planungssicherheit für die Kinder und die Berufstätigkeit.“
Der BA möchte sich nun beim Schulamt und dem RBS dafür einsetzen, dass die Geschwisterkinder der betroffenen Familien trotz Sprengeländerung einen Platz an der Agilolfinger-Schule erhalten. Ob das ausreicht, bleibt abzuwarten, denn aktuell gäbe es schlicht keine freien Schulplätze, erklärt das RBS. „Die Klassenstärken sind maximal ausgereizt, sämtliche Schulplätze durch die regulären Sprengelkinder besetzt.“ Ob es weitere Klassen gibt – unklar. Allen beteiligten Akteuren sei bewusst, „dass diese Situation eine große Belastung für die Familien darstellt“, heißt es vom RBS weiter. Man bedaure das Dilemma sehr. „Sobald belastbare Erkenntnisse zu den endgültigen Klassen- und Schülerzahlen vorliegen, werden die noch offenen Gastschulanträge geprüft und die betroffenen Familien unverzüglich informiert.“VINCENT SUPPÉ