Der Pep fürs Liebesleben

von Redaktion

Ein niederbayerisches Paar lieferte die Vorlage zum Kinofilm „Chéri, ich komme!“

Zauberhaftes Film-Ehepaar: Alexandra Lamy und François Cluzet in „Chérie, ich komme!“. © Verleih

„Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass aus unserer Geschichte eine so schön gemachte, lockere Komödie geworden ist“, sagten Michael und Brigitte Lenke. Die Hälfte des Films aber sei „reine Fiktion“. © Privat

Seit gestern läuft in den Kinos die charmante französische Komödie „Chéri, ich komme!“ über einen Tüftler, der gemeinsam mit seiner Gattin ein Liebesspielzeug konstruiert, das Frauen zuverlässig zum Orgasmus verhilft. Inspiriert ist der Film von wahren Begebenheiten, die allerdings nicht in Frankreich passiert sind, sondern mitten in Niederbayern: in Sepp Maiers Geburtsort Metten, einer 4263-Seelen-Gemeinde im Landkreis Deggendorf. Dort hat der Erfinder Michael Lenke, der schon viele nützliche Dinge ausgetüftelt hat (etwa ein Erdbeben-Frühwarnsystem oder ein Gerät gegen Heuschnupfen), 2014 zusammen mit seiner Ehefrau Brigitte den Womanizer entwickelt, der sich weltweit mehr als elf Millionen Mal verkauft hat. Wir sprachen mit dem Erfinderpaar.

Hat man Sie als technische Berater für den Film angeheuert?

Michael Lenke: Nein. Die Franzosen waren so clever, sich alle nötigen Informationen einfach aus dem Internet zu ziehen. Von dem Film haben wir erst durch eine französische Pressemitteilung erfahren. Ich habe dann die Produktionsfirma kontaktiert, und daraufhin wurden wir immerhin zur Premiere nach Paris eingeladen. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass aus der Geschichte eine so schön gemachte, lockere Komödie geworden ist. Aber rund die Hälfte des Films ist reine Fiktion.

Wie kam es denn wirklich zu Ihrer revolutionären Erfindung?

Michael Lenke: Ich hatte in einer amerikanischen Studie gelesen, dass fast 50 Prozent der Frauen nie zum Orgasmus kommen. Da dachte ich, das sollte man doch dringend ändern. Es war allerdings sehr schwer, an Informationen über die weibliche Befriedigung zu gelangen – daran konnte man schon erkennen, wie gern das Thema immer noch unter den Teppich gekehrt wurde. Ich habe dann lange mit einem befreundeten Frauenarzt gesprochen, und er hat mir bestätigt, dass die Stimulation der Frau hauptsächlich über die Klitoris läuft. Also habe ich überlegt: Wir müssen weg von diesen vibrierenden Phallus-Symbolen, das muss möglichst berührungslos funktionieren, vielleicht mit Luft? So kam die Aquarium-Pumpe ins Spiel – ganz ähnlich wie im Film. Und für meine Frau begann ein langer Leidensweg.

Inwiefern?

Brigitte Lenke: Ich war quasi das Versuchskaninchen meines Mannes und musste immer wieder neue Prototypen testen. Anfangs haben die mich eher an Folterinstrumente erinnert – Sadomaso-Fans hätten uns dafür vielleicht die Füße geküsst, aber für mich war es nur schwer auszuhalten. Es gab noch keine Steuerungsfunktionen, keine Feinabstimmung. Erst nach mehr als einem Jahr kam der Durchbruch, sodass wir uns schließlich getraut haben, einen großen Test zu machen – mit etwa 60 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren, die meisten aus einem Swingerclub in Dingolfing. Das Ergebnis war eine Erfolgsquote von 98 Prozent.

Bingo!

Michael Lenke: Sie sagen es. Das hat uns den Mut gegeben, einen Stand auf einer Erotik-Messe in Hongkong zu buchen, bei der auch viele Einkäufer von großen internationalen Unternehmen waren. Zuerst hat man uns belächelt – wir waren ja absolute Neulinge in der Branche. Aber wir haben jedem Interessenten einen Womanizer mitgegeben, damit sie ihn nachts mit ihren mitgereisten Frauen im Hotelzimmer ausprobieren konnten. Und am nächsten Morgen standen sie alle schon vor Messebeginn draußen vor der Tür Schlange, um Vertriebsverträge zu bekommen.

Wie hat denn die katholische Kirche in Ihrem Heimatort Metten reagiert, der für sein barockes Benediktinerkloster berühmt ist?

Michael Lenke: Man hat nichts Negatives gehört. Wir haben sogar den Handballverein gesponsert, die Damenmannschaft, die in der Klosterturnhalle trainiert und ihre Heimspiele ausgetragen hat – mit unserem Womanizer-Logo auf den Shirts. Da gab es nie irgendwelche Beschwerden. Im Gegenteil: Der Abt hat oft zugeschaut und sich wunderbar amüsiert.

Haben viele Männer Angst, durch Ihre Erfindung im Bett überflüssig zu werden?

Michael Lenke: Anfangs war das wohl so, ja. Inzwischen hat es sich offenbar herumgesprochen, dass der Womanizer als Ergänzung fürs Liebesleben gedacht ist und frischen Pep in eine Partnerschaft bringen soll. Heute sind über 50 Prozent unserer Kunden Männer, die das Gerät für ihre Frauen kaufen. Es sieht so aus, als hätten wir ein Umdenken bewirkt. Aber es bleibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Sogar in Frankreich gibt es im sexuellen Bereich nach wie vor eine Menge Tabus. Ich hoffe, dass der Film etwas verändert: dass er viele Frauen dazu ermutigt, mit ihrem Mann endlich über ihre Probleme im Bett zu reden.

Der Film erzählt nicht zuletzt eine schöne Liebesgeschichte über zwei Menschen, die sich gegenseitig so akzeptieren, wie sie sind – mit all ihren Spleens…

Brigitte Lenke: Ja, in diesen Figuren haben wir uns wiedergefunden, denn bei uns ist das genauso. Mit meinem Mann habe ich auch schon einiges mitgemacht. Oft ist er sehr ungeduldig – da muss dann alles ganz schnell gehen, egal, ob es bei mir gerade passt oder nicht. Und er will immer wissen, wie die Dinge funktionieren. Als ich mir einmal einen Lockenstab gekauft habe, hat er ihn schon am nächsten Tag komplett auseinandergenommen und irgendwas anderes eingebaut. Er ist eben ein Tüftler. Und ich habe ja gewusst, auf wen ich mich da einlasse.

Wurde Ihre bahnbrechende Erfindung eigentlich jemals offiziell gewürdigt? Vielleicht durch einen Verdienstorden, ein Denkmal oder eine Adelung?

Michael Lenke: Nein. Die schönste Anerkennung sind für uns die vielen Dankesbriefe aus aller Welt, die wir jeden Tag bekommen. Der allerschönste kam vor gut zwei Jahren von einer 83-jährigen Frau. Sie schrieb, mit dem Womanizer hätte sie jetzt ihr Erweckungserlebnis gehabt – den ersten Orgasmus ihres Lebens. Als ich das gelesen habe, sind mir die Tränen runtergelaufen, und ich habe mir gedacht: Vielleicht habe ich doch etwas richtig gemacht!

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