Szene aus „The Invite“ mit Penélope Cruz, Edward Norton, Seth Rogen und Olivia Wilde (von links). © Tobis Film
In der neuen Sex-Komödie „The Invite“ (läuft am 30. Juli im Kino an) spielt Olivia Wilde die frustrierte Hausfrau Angela, deren Spießer-Ehe mit Mathelehrer Joe (Seth Rogen) in der Krise steckt. Als sie spontan ihre mysteriösen neuen Nachbarn Hawk und Piña (Edward Norton und Penélope Cruz) zum Dinner einlädt, wird es ein Abend voller unerwarteter Enthüllungen und Höhepunkte. Ursprünglich wollte Wilde nur Regie führen, bis sie von ihren drei Co-Stars überredet wurde, auch vor der Kamera zu stehen. Die 42-Jährige hat diese Entscheidung keine Sekunde bereut: „Ich habe mich durch diesen Film wieder in die Schauspielerei verliebt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.
Was haben Sie durch „The Invite“ über Liebe und Beziehungen gelernt?
Dass eine Beziehung mehrere Beziehungen in sich tragen kann. Vielleicht endet jede Beziehung eines Tages – aber man kann mit demselben Menschen eine neue beginnen. Diese Idee der ständigen Neuerfindung hat mich weniger zynisch gegenüber der Ehe und langjährigen Partnerschaften werden lassen. Ich liebe die Vorstellung, dass Menschen sich weiterentwickeln dürfen – jeder für sich und gleichzeitig als Paar.
Wie wichtig sind Ihnen als Regisseurin die Ideen Ihrer Schauspielkollegen?
Natürlich höre ich auf die Vorschläge meiner Co-Stars. Zum Beispiel wollte Penélope als Piña unbedingt eine platinblonde Perücke tragen. Ich sagte zu ihr: „Du bist doch ohnehin eine so markante Erscheinung, du brauchst keine Perücke.“ Doch sie hat mir erklärt, dass sie sich äußerlich von sich selbst entfernen muss, um ganz zu ihrer Figur werden zu können. Und genau so war es. In dem Moment, als sie die Perücke aufsetzte, verwandelte sie sich. Plötzlich stand ein anderer Mensch vor mir – das hat mich wirklich beeindruckt.
Im Film realisieren sowohl Angela als auch Joe, wie viele ihrer eigenen Bedürfnisse sie für die Partnerschaft aufgegeben haben.
Genau dieses Thema beschäftigt mich schon lange, wie bereitwillig wir die Verantwortung für unser eigenes Leben aus der Hand geben. Wir glauben oft, Anspruch auf die Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung unseres Partners zu haben, kümmern uns dabei aber viel zu wenig darum, ob wir selbst noch wachsen, uns weiterentwickeln und uns überhaupt noch attraktiv und lebendig fühlen.
Welche Botschaft steckt für Sie im Film?
Alles, was unser Leben und unsere Beziehungen heute ausmacht, ist letztlich das Ergebnis der Entscheidungen, die wir selbst getroffen haben. Und wenn man mit diesen Entscheidungen rückblickend nicht zufrieden ist – kann man dafür dann wirklich seinem Partner die Schuld geben? Ich glaube, nein. Und wenn wir nicht Eigenverantwortung übernehmen, verwandelt sich Enttäuschung eines Tages in Verbitterung und schließlich in Verachtung füreinander.
Mit welchem Gefühl soll Ihre Sex-Komödie das Kinopublikum bestenfalls entlassen?
Er soll die Leute gemeinsam zum Lachen bringen, weil das etwas sehr Befreiendes hat. Und vielleicht gelingt es dem Film tatsächlich, manche Menschen wieder hoffnungsvoller auf Beziehungen blicken zu lassen oder die eine oder andere Ehe zu retten, die gerade auf der Kippe steht. Das wäre natürlich ein großes Ziel.