Der Tod lässt es knallen

von Redaktion

Charli XCXs Album „Music, Fashion, Film“

Cover-Stars: (v. li.) John Cale, Marc Jacobs, Martin Scorsese.

Der beeindruckenste Moment kommt ganz am Ende dieses am heißesten erwarteten Pop-Albums der Saison. Im Song „No One lasts forever“ wird der Satz „Sie sind tot, sie sind fort, niemand lebt ewig“ in Endlosschleife wiederholt. Regisseur David Cronenberg spricht ihn, nachdem er sich zuvor darüber Gedanken gemacht hat, dass selbst die berühmtesten Kunstwerke der Weltgeschichte das Schicksal ihrer Schöpfer nicht ändern konnten: zu sterben. Der morbide Schluss ist der finale Überraschungseffekt dieser knallbunten Wundertüte der Sängerin Charli XCX.

Der offensichtlichste ist, dass die Britin für das Album-Cover von „Music, Fashion, Film“ drei Säulenheilige des jeweiligen Genres gewinnen konnte (die, vor dem Hintergrund von Cronenbergs Aussage, definitiv Selbstironie beweisen): John Cale, mit dem sie bereits auf dem Soundtrack von „Wuthering Heights“ kollaborierte, Marc Jacobs und Martin Scorsese. Der andere Knüller: Das Album ist kurz, gerade mal 30 Minuten. Es besteht aus zehn simpel knallenden und doch extrem artifiziellen Rocksong-Skizzen.

Der Aufschrei am Wochenende war groß, hat Charli XCX doch im Sommer 2024 mit dem Electro-Album „Brat“ Popgeschichte geschrieben – weil gerade junge Frauen in ihm einen Gegenentwurf zum derzeitigen Zwang zur Selbstoptimierung erkannten. Jetzt proklamiert sie, der Dancefloor sei tot, und singt: „Nichts wird uns retten – weder Musik noch Mode oder Film.“ Memento mori. Dass sie diese Botschaft in so absichtsvoll unperfekte, freche Miniaturen eines zu Tode recycelten Musikstils steckt, beweist vor allem eins: ihren Humor.JOHANNES LÖHR

Charli XCX:

„Music, Fashion, Film“ (Warner).

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