Rockende Seemannstochter

von Redaktion

Sängerin und Komponistin Inga Rumpf feiert ihren 80. Geburtstag

„Hamburg hat mich geprägt“, sagt Inga Rumpf, die hier am Hafen posiert. © Christian Charisius

Mit ihrer kraftvollen Stimme ist die Sängerin Inga Rumpf seit Jahrzehnten eine Ikone im Bereich Rock, Blues, Jazz, Folk und Gospel. Sie stand mit Weltstars wie Lionel Richie und B.B. King auf der Bühne, rockte mit Ron Wood und Keith Richards von den Stones – und war dabei eine der ersten Frauen in der Branche. Am Sonntag wird die in Niedersachsen lebende Künstlerin, die auch komponiert und textet, 80 Jahre alt.

Den Geburtstag nimmt sie zum Anlass für einen zuletzt eher rar gewordenen Auftritt. Das große Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie am 13. September ist längst ausverkauft. „Das Konzert wird ein Zeitdokument“, sagt Rumpf, die in Matrosenpulli, Lederjacke und mit Stiefeln zum Interview gekommen ist. Ihr maritimes Outfit ist kein Zufall: „Hamburg hat mich geprägt“, verrät sie, markant rau klingend, mit Blick auf den Strom und Container-Ladekräne.

Als Seemannstochter nahe dem Hauptbahnhof aufgewachsen, sei sie als Kind oft zu Fuß zum Hafen gelaufen, habe am Strand gebadet und das Hämmern und Stampfen auf den seinerzeit noch vielen Werften genossen. Damals wollte sie sogar als Funkerin einmal selbst zur See fahren. „Als junges Mädchen konnte ich das Morse-Alphabet und kannte alle Flaggen-Signale. Es ist dann anders gekommen – und das ist auch gut so.“

Rumpfs familiäre Verhältnisse in der Nachkriegszeit waren eng und bescheiden, der Vater streng. So entdeckte sie als schüchterner und stotternder Teenager die eigene Gesangsstimme als Möglichkeit, sich zu entfalten. Rumpf war nicht nur im eigenen Land erfolgreich, auch in den USA kam sie mit ihrer Band Atlantis gut an. Für Inga, die zunächst noch Ingeborg hieß und ihre ersten Auftritte in einer Teestube auf St. Pauli hatte, begann es 1965 mit der Folk-Rock-Gruppe City Preachers. Mit der Zeit wurde der Sound härter und die Stimme der stets energiegeladen agierenden Inga lauter. So kam es um 1970 zur Gründung der Band Frumpy. Aus der ging 1972 Atlantis hervor. Für die vielseitige Rumpf ergaben sich noch viele Neuanfänge. So tourte sie mit ihrer Band Reality und war Dozentin an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Heute lebt die Musikerin, die zweimal verheiratet war, in ihrem Haus in der Wesermarsch, wo sie gern im Garten arbeitet.ULRIKE CORDES

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