Von Trauer und Trost

von Redaktion

Anne Goscinny schreibt über den Vater

Goscinny-Fan: Redakteurin Astrid Kistner.

Wer sich vor Übergepäck und dicken Wälzern mit vielen Seiten fürchtet, die großen Gefühle aber nicht scheut, ist bei diesem Büchlein goldrichtig. Anne Goscinny hat mit „Das Klimpern der Schlüssel“ einen bewegenden Brief an ihren Vater René Goscinny geschrieben. Der legendäre Comicautor („Der kleine Nick“, „Asterix“) starb 1977 mit nur 51 Jahren beim Belastungstest in der Praxis seines Kardiologen. Seine Tochter Anne war damals neun Jahre alt. Sie brauchte Jahrzehnte, um zu begreifen, was dieser Verlust bedeutete.

Ohne Sentimentalität und doch voller Gefühl beschreibt sie die verschiedenen Phasen der Trauer, des Verdrängens und des Sehnens. Und ganz nebenbei erzählt sie aus dem Leben des wunderbaren Humoristen, der nach den Denunzianten seiner jüdischen Vorfahren suchte, der großen Schmerz in sich trug, während er andere mit seinen Geschichten zum Lachen brachte.

Anne Goscinny schreibt von Männern, deren Anwesenheit sie nutzte, um die Lücke der väterlichen Abwesenheit zu füllen. Ihr langer Brief ist ein kurzes, kluges Buch geworden, das auf 80 Seiten so viele Einsichten komprimiert, dass man es nur schwer aus der Hand legen kann. Eine Lektüre, die schwer klingt, aber von erfrischender Ehrlichkeit getragen wird.ASTRID KISTNER

Anne Goscinny:

„Das Klimpern der Schlüssel“, Diogenes, 80 Seiten; 19 Euro.

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