Wie ausgewechselt

von Redaktion

„Faust“ bei den Münchner Opernfestspielen

Viele neue Gesichter gab es im heftig gefeierten Festspiel-„Faust“ im ausverkauften Nationaltheater zu entdecken: Das Auswechselspiel in Lotte de Beers Inszenierung vom Februar 2026 begann im Graben. Dort stand Daniele Rustioni (Foto: Davide Cerati) statt Premieren-Dirigentin Natalie Stutzmann, sie ist in Bayreuth mit dem „Rienzi“ beschäftigt. Beim Titelhelden setzte es sich auf der Bühne fort.

Kein Geringerer als Piotr Beczala, der zum Glück gerade keinen „Lohengrin“ auf dem Grünen Hügel singen muss, schlüpfte unter die Decken des greisen Faust und ließ stimmlich den verjüngten sogleich erahnen. Sein edler, bis zum bitteren Ende stilsicher geführter, wohltönender Tenor sprach spontan an und gewann mit seinem „Salut! demeure chaste et pure…“ nicht nur Marguerites Herz.

Dass er als spielgewandter Titelheld dennoch im Schatten Méphistophélès und Marguerites stand, liegt in der Natur der Sache und auch an Charles Gounod. Er hat den Bösewicht verschwenderisch ausgestattet, Kyle Ketelsen setzte ihn (wie bereits in der Premiere) mit schwarz getöntem Bariton lässig und elegant in Szene. Ein süffisanter Spielmacher, dem nur fromme Gesänge und Kreuze den Magen umdrehen.

Als neue Marguerite steigerte sich die hier bereits für ihre Olga, Amelia oder Violetta gefeierte Australierin Nicole Car in die von Gounod fein bedachte, zuletzt dramatisch zugespitzte Gretchenrolle. Mit schlankem, aber raumfüllendem, metallisch schimmerndem Sopran durchlebte und durchlitt sie das Schicksal der Liebenden und Ausgestoßenen bis hin zum finalen „Gerettet!“ Boris Pinkhasovich punktete als neuer Valentin mit üppigem Bariton und Emily Sierra als Siebel mit blitzblankem Sopran. Staatsopernchor und Staatsorchester ließen keine Wünsche offen, zumal Daniele Rustioni das musikalische Geschehen lenkte mit sensiblem Gespür für die Farben und weit gespannten Bögen, für die Lyrismen wie für die intensiven Steigerungen.GABRIELE LUSTER

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