Unvergessen: der Jazz-Trompeter Miles Davis. © Getty Images
Matthieu Bordenave ist von Davis fasziniert. © Schaetz
Am 26. Mai wäre Miles Davis 100 Jahre alt geworden. Kein Wunder also, dass dem legendären Trompeter, der den Jazz über vier Jahrzehnte entscheidend geprägt und dabei immer wieder neue Richtungen eingeschlagen hat, in diesem Jahr zahlreiche Hommagen gewidmet werden. Ab morgen versucht sich in der Unterfahrt der aus Südfrankreich stammende Tenorsaxofonist Matthieu Bordenave, seit 18 Jahren Wahlmünchner, mit einem handverlesenen Quintett fünf Abende lang an Neuinterpretationen des ersten großen Miles-Davis-Quintetts der Fünfzigerjahre und seiner legendären Alben. Im Interview spricht Bordenave über die anhaltende Bedeutung von Miles Davis – auch für jüngere Generationen.
Was macht die Faszination von Miles Davis aus?
Miles ist ein Trompeter, der eine ganz besondere Beziehung zum Saxofon hat. Er hat viel mit den Großen gespielt: Sonny Rollins, John Coltrane, Wayne Shorter – und wenn man sich deren Karriere ansieht, fällt auf, dass sie an einem Punkt auf Miles getroffen sind, wo sie gerade ihre eigene Stimme gefunden hatten. Mich fasziniert, wie er es als Bandleader immer verstanden hat, diesen Musikern einen fruchtbaren Boden zu bieten, auf dem sie wachsen konnten. So hat er indirekt unsere Vorstellungen vom modernen Saxofon mitgeprägt. Das fasziniert mich.
Sie konzentrieren sich auf eine frühe Phase in der Karriere von Davis. Warum gerade dieser Abschnitt aus Davis‘ großem Werk?
Der Jazz der damaligen Zeit, der Hardbop, war sehr arrangiert, die Arrangements wurden komplexer, ein Quintett oder Sextett sollte oft wie ein Mini-Orchester klingen. Miles ging den umgekehrten Weg und nahm ganz einfache Tunes, legte den Fokus auf das Zusammenspiel und die Spontaneität, und das Ergebnis war genauso stark. In der heutigen Zeit wird der geschriebene Anteil im Jazz immer noch komplexer, sowohl formal als auch harmonisch und rhythmisch. Ich aber will zeigen, dass man auch ein altbewährtes Repertoire nicht museumsartig nachspielen muss, sondern, wenn man mit offenen Ohren und Lust am Risiko herangeht, daraus heute noch etwas Tolles machen kann. Diese Musik ist zeitlos.
Die Rolle des Trompeters haben Sie auf zwei Musiker verteilt: An den ersten beiden Abenden spielt Claus Reichstaller, danach dann Julian Hesse. Warum?
Es sind zwei Generationen von Trompetern, die beide diese Musik lieben, aber sie völlig anders gelernt haben. Claus Reichstaller hat mit vielen Musikern gespielt, die Miles noch persönlich kannten, also einen sehr direkten Zugang. Julian und meine Generation mussten den indirekten Weg gehen, die Musik von Platten lernen. Kopieren ist wichtig, wenn man eine Musik lernt, aber man muss den Mut haben, darüber hinauszugehen. Claus und Julian können das beide und ich habe die Hoffnung, dass manche vielleicht zweimal kommen, um ihre verschiedenen Ansätze zu hören.