Bob Dylan veröffentlicht 1966 eines der wegweisenden Alben der Pop-Geschichte. Und eines der längsten. „Blonde on Blonde“ hat eine Spielzeit von fast 73 Minuten – es ist zusammen mit „Freak out!“ von Frank Zappas Mothers of Invention aus demselben Jahr das erste Doppelalbum überhaupt. Und es geht gleich gut los: Zum Umptata einer Blaskapelle fordert der Frechdachs im Top-Ten-Hit „Rainy Day Women 12 & 35“: Alle müssen high werden! „Everybody must get stoned.“ Im Studio weist er seine Band The Hawks und die Session-Musiker an, sie sollten einen „dünnen, wilden Quecksilber-Sound“ erzeugen. Und das tun sie, im Popsong „I want you“ genauso wie im schneidenden „Leopard-Skin Pill-Box Hat“ und dem rätselhaften „Stuck inside of Mobile with the Memphis Blues again“. Aber als wahrer Wortschmied erweist Dylan sich in den surrealistischen Balladen „Visions of Johanna“, „Just like a Woman“ und „Sad Eyed Lady of the Lowlands“. Letztere nimmt eine ganze LP-Seite ein. Auch das: eine Pioniertat.LÖ
Bob Dylan:
„Blonde on Blonde“ (Columbia).