Mit „Revolver“ reißen die Beatles 1966 endgültig die Grenzen der Popmusik nieder. Nie wieder zeigen sie sich so selbstbewusst und als gleichberechtigte Einheit. George Harrison, bis dahin im Schatten von Lennon/McCartney, legt mit dem sarkastischen Rocker „Taxman“ los und wagt sich mit seinem ersten Indien-Song hervor. John Lennon hebt völlig ab – seine Wunderland-Weisen klingen wie die LSD-Trips, die er zu dieser Zeit einwirft („Doctor Robert“ ist eine Ode an seinen Dealer), und im abschließenden Geniestreich „Tomorrow never knows“ rezitiert er das tibetanische Totenbuch, derweil Ringos Drums rückwärts abgespielt werden und allerlei Soundschleifen das Lied mitreißen wie ein Fluss. Die formalen Experimente sind Paul McCartneys neuem Avantgarde-Interesse geschuldet – kompositorisch zeigt er sich klassizistisch: „Eleanor Rigby“ und „For no one“ sind Kammerpop pur, „Here, there and everywhere“ sein schönstes Liebeslied. Nebenbei schreibt Paul Ohrwürmer („Good Day Sunshine“) und für Ringo den Kindergarten-Shanty „Yellow Submarine“. Und alles passt irgendwie zusammen.LÖ
Beatles:
„Revolver“ (Parlophone).