Camille Laurens, Frankreichs Star der Autofiktion, ist eine Kennerin der Liebe – und macht ihr in ihrem Roman den Prozess. Vor Gericht steht Claire, die ihren Partner Gilles im Ferienhaus angegriffen und verletzt hat. Das Motiv: enttäuschte Liebe. Oder war es wirklich ein zerstörerisches Gespinst aus Lügen, Betrug und Narzissmus? Der Tat vorausgegangen sind große Gefühle, aber auch schon früh Irritationen. Claire blendet sie alle aus, ist sehend und blind zugleich. Eine erfolgreiche Beziehung soll es jetzt, Anfang 50, endlich sein. Sie erzählt ihrer Anwältin detailliert und kunstfertig die Geschichte ihres Strauchelns an der Seite des Puppenspielers Gilles. Dazu gibt es Lyrik-Passagen, wunderbare Sprach-Analysen (Claire ist Schriftstellerin), zu Wort kommen aber auch andere Personen mit ihrer Sicht der Ereignisse. Typisch Laurens ergibt das ein blitzgescheites, forderndes, auch unterhaltsames Buch. Und wer Sprache, die Liebe und eine gute Story liebt, wird seine Freude daran haben.SL
Camille Laurens:
„Was wir uns versprechen“, dtv, 368 Seiten; 26 Euro.
★★★★★ Hervorragend