Catherine Foster singt die Hauptrolle. © Enrico Nawrath
„Kann bitte jemand das Feuer am Walkürenfelsen ausmachen? Hallo?“ Es ist nicht leicht für eine Heldin, erst recht nicht für ihre Interpretin. Vor allem wenn Wotan gerade die Tochter in den Schlaf geküsst, einen Flammenring um die Ruhestätte herbeigezaubert hat – und irgendein doofer Techniker nach Fallen des Vorhangs den Pyro-Effekt vergessen hat. Außerdem ist die Sache auch noch ein Debüt für Hermine, hochdramatische Sopranistin und erstmals in Bayreuth für die Brünnhilde gebucht.
Kein Wunder, dass sich Albträume einstellen, dies gepaart mit Pannen, realen und psychischen. Wohl, Wehe und Panik einer Sängerin, das ist das Thema von „Brünnhilde brennt“, dem Opernzweiakter von Bernhard Lang (Musik) und Michael Sturminger (Regie). Uraufführung war nun in Bayreuth, als weiteres Extra zum 150. Festspielgeburtstag. Eigentlich war die Produktion szenisch geplant. Doch wie so vieles im Jubiläumssommer musste auch hier aus finanziellen und organisatorischen Gründen gestrichen werden. In der Stadthalle des Friedrichsforums, knappe drei Kilometer vom Festspielhaus entfernt, kam es nur zur konzertanten Version. Die szenische Ersttat ist dann am 4. April 2027 beim Koproduktionspartner, dem Opernhaus Dortmund. Sängerinnen und Sänger gestatten sich auf der Bayreuther Bühne trotzdem Halbkonzertantes: Es gibt ein paar Gesten, Interaktionen, vor allem das Mienenspiel und den wunderbaren Gesang von Catherine Foster. Als weltweit gefragte Brünnhilde hat sie sicht- und hörbar Spaß an diesem Scherzo, das sich und die Wagnerei nicht sonderlich ernst nimmt.
Hermine/Brünnhilde begegnet nicht nur den „Ring“-Figuren, ihren Interpreten, sondern auch dem heiligen Richard höchstselbst. Irgendwann hat sie nicht nur einen, alle Macht ermöglichenden Gold-Reif, sondern sogar drei. Eine sanfte Satire für Nerds: Wer Wagners Musikdramen nicht im Ohr hat, der hat nur ein Drittel so viel Spaß. Bernhard Lang hat sich kundig und gewitzt im Supermarkt der Originalpartituren bedient, einiges verfremdet und verbogen. Immer wieder gibt es musikalische Schleifen, Wiederholungen und eine prägnante Rhythmisierung.
Vieles hat Schmunzelpotenzial, anderes klingt nach Scherz lass nach. Eine Groteske mit angezogener Handbremse. Die Mitglieder des Dortmunder Opernorchesters lassen es in der trockenen Saal-Akustik funkeln, cool gelotst von Dirigent Jonathan Stockhammer. Neben Catherine Foster stehen gestandene Solisten wie Joachim Goltz, Morgan Moody und Mandla Mndebele auf der Bühne. Vor allem auf Goltz, diesen exzellenten Singdarsteller, darf man in der szenischen Version gespannt sein. Über weite Partiturstrecken gibt es Hörspaß, der Text schwächelt zuweilen. Die Geschichte ist so abstrus – eine Portion mehr Gaga hätte der Sache gutgetan. Irgendwann wird dem Bier danach gehuldigt und ein wahrer Satz gesungen: „Wo wäre Bayreuth ohne Frauen?“MARKUS THIEL