Ein beeindruckender Roman. Denn Iryna Fingerova erzählt anschaulich und dennoch leicht, was der russische Überfall auf die Ukraine mit den Menschen macht – im Land, vor allem aber mit jenen im Ausland. Beeindruckend auch deshalb, weil die Autorin, die 1993 in Odesa (die ukrainische Schreibweise ist ihr wichtig) geboren wurde, Platz lässt für Träume und das normale Leben. Im Zentrum steht Mira, eine Ärztin, Lyrikerin, Ehefrau, Mutter und Ukrainerin, die in Deutschland arbeitet – lange schon vor dem Krieg. Ihre Praxis wird Anlaufstelle der ukrainischen Community. In präzisen Beobachtungen schildert Fingerova die Menschen, entwickelt die Mini-Dramen ihrer Leben. Und lässt ihre Protagonistin zugleich ihre eigenen Kämpfe kämpfen und das große Ganze reflektieren. Ein unaufgeregtes, doch aufregendes Buch (das leider mitunter etwas schlampig lektoriert ist). „Zugwind“ trägt mit seinen vielen kleinen Szenen dazu bei, ein Gesamtbild zu erkennen. Und die Hoffnung nicht zu verlieren.LEIC
Iryna Fingerova:
„Zugwind“. Rowohlt, 303 Seiten; 24 Euro.
★★★★☆ Lesenswert