Sven Schöcker leitet die Theaterspiele. © Theaterspiele
Gut besuchter Ort: der Königsplatz vor der Glyptothek. In deren Innenhof finden die Theaterspiele statt. © Hörhager/dpa
Muss wegen eines Protestcamps auf dem Königsplatz die letzte Spielwoche des Sommertheaters gestrichen werden? „Dionysos“ (hier eine Szene mit Christine Garbe) hätte eigentlich am 10. September Dernière. © Astrid Ackermann
Dieser Streit ist kein Sommertheater. Hier geht es um Existenzielles: Die Theaterspiele in der Glyptothek haben auf openpetition.de eine Petition an den Münchner Stadtrat gestartet, der beschlossen hat, den Königsplatz „massiv für Großkonzerte – vier Konzertwochenenden mit acht Konzerten – zu öffnen“, wie es heißt. Die Theaterleute fürchten deshalb um ihre Zukunft. Zudem soll vom 7. bis zum 13. September ein Protestcamp auf dem Platz stattfinden – täglich ab 12 Uhr gibt es Veranstaltungen (s. Kasten). Das Abendprogramm sieht etwa Konzerte und Open-Air-Kino vor. Beginn: jeweils 20 Uhr. Sven Schöcker leitet zusammen mit Alex Novak das Freilufttheater in der Glyptothek. Im Gespräch formuliert der Regisseur seine Kritik an der Stadt.
Was werfen Sie der Stadt vor?
Sie ist über uns hinweggegangen. Wir wurden von der Stadt über das Protestcamp nicht informiert – wir haben die Pläne durch die Museumsleitung erfahren. Uns gibt es seit 36 Jahren an diesem Ort, die aktuelle Saison wurde im Februar vom Kreisverwaltungsreferat genehmigt. Aber offenbar weiß dort die linke Hand nicht, was die rechte macht. Wie sonst kann man parallel ein Protestcamp genehmigen, das „lautstarken Protest“ ankündigt? Das ist alles legitim und hat seine Berechtigung. Aber unsere Interessen werden ignoriert. Deshalb schalten wir jetzt einen Anwalt ein.
Was erhoffen Sie sich vom Gang zum Anwalt?
Wir wollen das KVR darauf aufmerksam machen, dass es so nicht arbeiten kann. Wir legen den Finger in die Wunde. Das ist eine Behörde, die für uns geschaffen wurde, für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, und nicht für irgendwelche bürokratischen Interessen!
Am Königsplatz treffen mehrere Interessen aufeinander: die Theaterspiele, Antikensammlungen und Glyptothek, Konzerte…
Die Stadt verramscht den Platz, der ihr gar nicht gehört. Sie hat ihn vom Freistaat gepachtet! Ludwig I. hat den Königsplatz, der von Karl von Fischer begonnen und von Leo von Klenze vollendet wurde, den Menschen zur Kontemplation überlassen. Wenn der Platz kommerziell oder als Ort für Demos genutzt wird, wird er zweckentfremdet und entweiht. Erst vor ein paar Tagen hat jemand „Free Gaza“ auf die Säulen der Glyptothek gesprüht. Das ist kaum wegzuputzen.
In einer Großstadt wird es nie ruhig sein, das ist für Freilufttheater immer schwer.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen Konzerte oder Demos auf dem Königsplatz. Aber es muss doch Maß und Ausgleich geben. Alle reden von Buntheit und Vielfalt, aber die findet nicht statt. Die Kleinen, die Leisen, werden hier gerade übersehen und kaputtgemacht zugunsten der Großen, zugunsten der Kommerzialisierung. Der Stadt ist jedes Maß verloren gegangen.
Bedroht die Entscheidung Ihre wirtschaftliche Existenz?
Wir sind ein gesundes Unternehmen, das keine Subventionen erhält. Deshalb können wir nicht einfach unsere letzte Spielwoche streichen. Wenn die Stadt durch ihr Verhalten dafür sorgt, dass wir als Kulturanbieter kaputtgehen, wäre das ein starkes Stück. Dass unser Publikum unglücklich wäre, brauche ich nicht zu betonen. Mehr als 2500 Menschen haben online unsere Petition unterzeichnet. Dazu kommen die Unterschriften abends nach den Vorstellungen.
Was fordern Sie?
Ich bin angefressen und genervt, ja. Aber noch einmal: Ich habe nichts gegen die Demonstrationen. Ich beurteile das politisch nicht. Diese Situation hat das KVR verbockt. Es muss doch einen Ausgleich geben, sodass alle miteinander auskommen. Die Gebäude am Königsplatz, die Exponate in den Museen, die Theaterspiele im Innenhof haben doch auch Rechte.
Was wünschen Sie sich von den Initiatoren des Protestcamps?
Die sollen machen, was sie wollen und für richtig halten. Aber man kann doch auch still demonstrieren. Zumindest von 20 bis 21.30 Uhr, während unsere Vorstellung läuft. Da sollen sie bitte leise sein und unsere Zuschauer durchlassen und nicht belästigen. Ob sie woanders hingehen, liegt nicht in meiner Entscheidung.
Haben Sie Kontakt zur Stadtspitze?
Wir werden Oberbürgermeister Dominik Krause einladen. Mal sehen, ob er kommt.
Weitere Informationen
und Karten gibt es unter theaterspieleglyptothek.de.