UNSERE KURZKRITIKEN

Trauerarbeit in der WG

von Redaktion

„Laute Nächte“ von Anne Freytag ist ein ehrlicher und authentischer Roman über Verlust, Freundschaft, das Erwachsenwerden und die Liebe. Nach seinem Umzug von München in eine WG in Wien dreht sich Kennis Leben weniger um sein Studium als um die Trauerarbeit (seine Freundin Jasmin kam bei einem Autounfall ums Leben) und darum, wie sich das Zusammenleben mit seinen WG-Mitbewohnern, vor allem seine Beziehung zu Elif, gestaltet. Jahre später treffen die WG-Freunde in Zürich auf Kennis Vernissage wieder aufeinander. Das alles mag nach viel Selbstbezogenheit klingen. Trotzdem gelingt der Autorin ein berührendes Psychogramm. Im Präsens schlüpft sie in die Ich-Rolle Kennis, schildert die WG-Gegenwart und das, was später in Zürich passiert. Die dazwischen erfolgenden Zeitsprünge bieten gelungene Abwechslung, schaffen auch den anderen Protagonisten gebührenden Raum. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt, aber auch Mut macht, nach vorn zu blicken. ELK

Anne Freytag:

„Laute Nächte“. Kampa Verlag, 320 Seiten; 24 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

Artikel 5 von 7