AUSSTELLUNG

Was versteckt sich da?

von Redaktion

„Kuckuckseier“ im Bayerischen Nationalmuseum

Körperteile wie auf einer Grabplatte (Nicole-Frenzel).

Atompilz aus Kunststoffschaum im Kanonenhof.

Zwischen die alten Rittersleut hat Anna Frydman einen gehäkelten Geistlichen postiert. © Bastian Krack (3)

Ja zum Kuckuck, was ist das? Zwischen den Harnischen der alten Rittersleut hängen gehäkelte Kettenhemden aus quietschbunter Wolle von Anna Frydman. Aus einer Vitrine mit manieristischen Bronzen grüßt uns ein modernes Spielzeugfigürchen von Thomas Sterna als seifiger Strahlemann entgegen. Und im Saal mit Barockgewändern liegen Hosen von heute herum, die Andreas Zingerle allerdings aus weißem Zement gegossen hat – ein wahrlich knallharter, aber auch urkomischer Kontrapunkt zu den altehrwürdigen Exponaten im Bayerischen Nationalmuseum.

„Kuckuckseier“ lautet dementsprechend der Titel einer witzigen Ausstellung, bei der zeitgenössische Kunstobjekte in die heiligen Museumshallen geschmuggelt und hinterlistig zwischen den Antiquitäten platziert wurden. Als Kuckuck, der die Eier ins Nest legte, fungierten Mitglieder der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft, von denen die aktuellen Werke stammen.

Dass das alles nicht nur Jux und Dollerei ist, sondern auch verstörende Themen berühren kann, zeigt Olaf Probsts „Katastrophäe“, die Nachbildung eines Atompilzes aus Kunststoffschaum, die passend im Kanonenhof des Museums steht. Und wenn Maria Rucker unter dem Titel „meine Keule – deine Keule“ zwei formschöne Prügel aus rotem und weißem Marmor präsentiert, soll das sicher nicht zur Förderung der Kriegstüchtigkeit beitragen.

Entspannter, aber im Wortsinn eindrücklich wirkt Daisuke Oguras Objekt „Eine Scheibe“, das effektvoll neben einem Barockstuhl steht. Auf den ersten Blick sieht es aus, als läge da bloß ein braunes Kissen auf einem runden Hocker vom Sperrmüll. Aber das vermeintliche Polster besteht aus Ton, und bevor der hart gebrannt wurde, hat sich der Künstler draufgesetzt, um deutliche Abdrücke seines Hinterteils zu hinterlassen. So zeigt die Installation quasi ein Negativ, die Hohlform eines abwesenden Sitzenden, der dadurch fast gespenstische Präsenz gewinnt.

Ob uns das vom Hocker reißt, oder eher am Allerwertesten vorbeigeht? Weiß der Kuckuck! Aber in der Ausstellung geht es ja gar nicht nur darum, Spitzenwerke aktueller Kunst, quasi die Kuckuckseier des Columbus zu zeigen – zumal auch die regulären Exponate manchmal eher kulturhistorisch als künstlerisch bedeutend sind.

Nein, der poetische Reiz der Schau besteht in der Konfrontation der Epochen und im augenzwinkernden Versteckspiel. Denn der Kurzschluss zwischen neu und alt erzeugt ebenso amüsante wie erhellende Erkenntnisblitze. Damit stellt die zeitgenössische Intervention nicht nur den Gegenpol zu betulicher Museumspädagogik dar, sondern erfrischt auch den Blick auf die altehrwürdigen Ausstellungsstücke: deren Eigentümlichkeit wird durch den verblüffenden Kontrast des Neuen plötzlich deutlicher sichtbar – als rufe sie: Kuckuck, hier bin ich…ALEXANDER ALTMANN

Bis 15. November,

Di. bis So. 10 bis 17 Uhr,
Do. bis 20 Uhr.

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