Lust auf Literatur

von Redaktion

Brandt, Habeck, von Rönne und Knobloch: Sie lesen in München

Joachim Sauer an der Seite Angela Merkels. © Tinnefeld/API

Robert Habeck erzählt von der Arktis. © Banneyer/dpa

Ronja von Rönne liest aus ihrem Roman. © Sommer/dpa

Der Tempel des Lesens: das Literaturhaus am Salvatorplatz. Das Programm für den Herbst wartet mit großen Namen auf. © Christian P. Schmiedet/Literaturhaus

Bücher und berühmte Gesichter: Das Münchner Literaturhaus am Salvatorplatz stellt sein neues Programm vor und kann mit großen Namen aufwarten: Ex-Vizekanzler Robert Habeck, Schauspieler und Kanzlersohn Matthias Brandt, Merkel-Ehemann Joachim Sauer und Literaturstar Ronja von Rönne sind nur einige Beispiele. Die Höhepunkte.

Matthias Brandt: In „Nein sagen“ (Kiepenheuer & Witsch) erinnert Matthias Brandt, Schauspieler und Autor, an die Menschen hinter dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 – und an seine Eltern Rut und Willy Brandt, die sich den Nazis entgegenstellten. Das Buch beruht auf seiner beeindruckenden Rede am 20. Juli 2025 in der Gedenkstätte Plötzensee und fragt, was Widerstand heute bedeutet – angesichts von Rechtsextremismus und einer Demokratie unter Druck. Im Literaturhaus spricht er mit Historikerin Ruth Hoffmann. Ein Gespräch über Geschichte und Haltung. So., 11. Oktober, 17 Uhr.

Edgar Selge: Jura Rjabinkin war 16, als er während der deutschen Blockade Leningrads im Winter 1941/42 Tagebuch schrieb. Jahrzehnte später folgt Edgar Selge in „Juras letzter Winter“ (Rowohlt) den Spuren dieses Jungen, dessen Stimme den Krieg überdauerte. Mit seinem Debüt „Hast du uns endlich gefunden“ schrieb sich Selge, einer der profiliertesten Theater- und Filmschauspieler Deutschlands, in die erste Reihe der Gegenwartsliteratur. Nun verbindet er historische Wirklichkeit und literarische Imagination zu einer Erzählung über Erinnerung und Verlust. Die Lesung findet in den Kammerspielen statt. Do., 15. Oktober, 19 Uhr.

Charlotte Knobloch: Sie war zwölf Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg endete und sie den Holocaust in einem Versteck überlebte. Ihr Vater Fritz Neuland gründete 1945 die Israelitische Kultusgemeinde wieder. Sie selbst wurde in der jüdischen Gemeinde zur kritischen Wegbegleiterin der Bundesrepublik – bis heute. In ihrem Buch blickt Charlotte Knobloch zurück, vor allem auf die letzten zwanzig Jahre, in denen jüdisches Leben in Deutschland so bedroht ist wie nie seit Kriegsende. „Trotzdem weiter“ (C.H. Beck) ist das Vermächtnis einer Frau, der die Demokratie in Deutschland viel zu verdanken hat. Die Lesung moderiert Michael Schleicher, ehemaliger Leiter des Kultur-Ressorts von Münchner Merkur und tz. So., 12. November, 11 Uhr.

Robert Habeck: Wo früher ewiges Eis die Grenzen der Zivilisation markierte, entscheidet sich heute die Zukunft unserer Sicherheit. Denn die arktische Erwärmung lässt das Eis schmelzen und Begehrlichkeiten entstehen: Interessen, die rücksichtslos durchgesetzt werden sollen. In „Arctic Meltdown – Die Neuvermessung der Welt“ (Kiepenheuer & Witsch) skizziert Ex-Vizekanzler Robert Habeck die Geschichte der Arktis, auch die Ausbeutung durch Dänemark, erzählt von den Menschen, die dort leben, und blickt hinter die Kulissen der Weltpolitik. Mi., 9. Dezember, 19 Uhr

Joachim Sauer: Der Mann an Angela Merkels Seite erzählt in „Mein richtiges Leben“ (S. Fischer) erstmals persönlich: Als die Mauer fiel, war Joachim Sauer vierzig, er verbrachte sein halbes Leben in der DDR. Er erzählt von seinem Aufwachsen in der SED-Diktatur, dem Beginn seiner Forscherkarriere als Quantenchemiker, dem Anpassungsdruck sowie seinem Erleben der deutschen Einheit und dem Glück der Freiheit. Und auch davon, wie er den politischen Aufstieg seiner Frau zur Bundeskanzlerin erlebt hat. Do., 21. Januar 2027, 19 Uhr.

Ronja von Rönne: Mit feinem Gespür und großer Intensität erschafft Ronja von Rönne in „Alles Liebe“ (dtv) ein Mosaik über Liebe als Behauptung und Wahrheit als Konstrukt. Laura hat schon als Kind verstanden, wie Mitleid funktioniert. Barbara füllt ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und einem Mann, den es nicht gibt. Heike sitzt seit 30 Jahren in einem Haus, das ihrer Schwiegermutter gehört, und träumt von einem Garten, den sie nie haben wird. Di., 16. Februar 2027, 19 Uhr.

Eva Menasse: Nach dem Ende einer Ehe bleibt ein Haus – und mit ihm die Erinnerungen an ein gemeinsames Leben. Welche Spuren hinterlässt die Geschichte in unseren Biografien? In „Alleinruhelage“ (Kiepenheuer & Witsch) verdichtet Eva Menasse persönliche Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen zu einem Roman von großer Präzision und subtilem Humor. Di., 15. September, 19 Uhr.Janina Ventker

Die Lesungen

finden im Literaturhaus am Salvatorplatz 1 statt. Karten auf www.literaturhaus.de und unter Tel. 0761/88 84 99 99.

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