Tief verankert

von Redaktion

Willy Astor wechselt in der Residenz mühelos zwischen Musik und Wortakrobatik

Macht großen Spaß: Willy Astor. © Schönberger/AbR

Was soll schon schiefgehen? Es regnet nicht, es ist warm, der Brunnenhof der Münchner Residenz bietet eine prächtige Kulisse für ein Freiluftkonzert. Und Gastgeber Willy Astor ist offenkundig für viele eine attraktive Alternative zu einer Sonnenfinsternis. Alles bereit also für einen sehr schönen Abend und: Es wird einer.

Astor, aufgeräumt wie immer, beginnt mit einem Stück das „Höhenflug“ betitelt ist, was man gewagt finden kann. Astor freilich setzt, zu Beginn noch alleine auf der Bühne, damit den Ton für das Konzert. Entspannte, berückende Miniaturen, die das Publikum sachte aus dem Alltag in eine luftige Zwischenwelt entführen. Im Laufe des Abends beweist Astor gemeinsam mit seinen exzellenten Mitmusikanten, dass er dieses Kunststück auf andere Idiome übertragen kann. Es klingt mal nach Bossa Nova, mal nach Flamenco, mal nach Klezmer und bei „Hausbankhoiwe“ nach bayerischer Volksmusik. Immer unangestrengt, ohne Attitüde kommt das daher. Astor und seine Mannen musizieren einfach gerne und probieren sich aus.

Es ist schon beachtlich, welche musikalische Vielfalt sich Astor im Laufe der Jahre erspielt hat. Er hat keine Berührungsängste und greift auf, was ihm gefällt. Es funktioniert und die Ernsthaftigkeit von Stücken wie „Nautilus“ steht im unauflösbaren Widerspruch zu den blödelnden Kalauer-Ansagen. Der Drang zum verbalen Unfug ist stärker als Astor, das bekommt der bald 65-Jährige wohl nicht mehr in den Griff. Egal, die Musik trägt, die Moderationen schwanken zwischen charmant und ganz leicht peinlich. Macht nichts, Astor, der sich über Jahrzehnte zäh und unbeirrbar nach oben gearbeitet hat, weiß, dass er dem Affen ab und zu Zucker geben muss.

Als Wortakrobat ist er bekannt geworden und er bedient seine Nische. Als er einmal beiläufig erwähnt, dass er eine Melodie als Bewohner einer Sozialwohnung im Hasenbergl ersonnen hat, brandet Applaus auf: Astor ist einer aus der Mitte dieser Stadt, ein weltoffener Künstler, der dennoch tief in der Tradition seiner Heimat verwurzelt ist. Und der keine Hemmungen hat, nach der Pause ein Medley mit Hits von gegensätzlichen Pop-Granden wie Celine Dion, Michael Jackson und Queen zu kredenzen. Hauptsache, man hat Spaß. Deswegen gibt es als Rausschmeißer noch griechisches Gezirpe, das entfernt nach Sirtaki klingt. Das Publikum dankt mit Standing Ovations.ZORAN GOJIC

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