Wie Nina Ruge gesund alt werden will

von Redaktion

Die Longevity-Visionärin, Moderatorin, Podcasterin und Autorin feiert ihren 70. Geburtstag

Auch Tiere halten Seele und Körper gesund: Nina Ruge mit Hund Rico. © Franziska Krug, Privat

Alles wird gut. Diese Zuversicht setzte TV-Moderatorin Nina Ruge stets an das Ende ihrer „Leute heute“-Sendung im ZDF. Und sie steht über einer Vielzahl von Büchern, die sie geschrieben hat. Jetzt sagt die Bestseller-Autorin: „Alles wird gut, aber nicht von alleine.“ Anlässlich ihres 70. Geburtstages am 24. August teilt sie in ihrem neuen Buch „70 Erkenntnisse für ein gesundes Leben“. Die Wissenschaft vom gesunden Altern ist das Herzensthema der ehemaligen Gymnasiallehrerin für Biologie. Seit zehn Jahren recherchiert sie dazu, und das Buch ist die Essenz ihrer Aha-Momente neuer Erkenntnisse zur Zellbiologie. Ein Gespräch mit Nina Ruge:

Wie fühlt sich 70 an?

Wie japanischer Essigsalat aus roher Seegurke, also unheimlich bis suspekt. Diese Zahl hat wenig mit mir zu tun, denn die Bilder, die wir von 70-jährigen Frauen im Kopf haben, sind längst überholt. Wir Frauen diesen Alters stehen oft sehr aktiv im Leben und lassen uns nicht von einer Jahreszahl zur alten Frau stempeln. Wir arbeiten weiter, engagieren uns, genießen die Lebenserfahrung, tun was für unsere Fitness und lassen uns nicht in Altersklischees pressen.

Sie beschäftigen sich seit zehn Jahren mit „gesund alt werden“; dennoch bleibt Altern ein Prozess, der vielleicht zu verlangsamen, aber nicht aufzuhalten ist…

Ich habe großen Respekt davor. Und in meinem Buch schreibe ich sehr offen, dass mich das mit einer großen Melancholie, aber auch Trauer erfüllt. In meinem Umfeld werden immer mehr Menschen krank, immer mehr sterben. Die Endlichkeit tritt massiv ins Bewusstsein, und sie zu akzeptieren, ist eine große Herausforderung. Auch für mich. Inzwischen brauche ich längere Regenerationszeiten als früher. Allerdings: Mein Kopf funktioniert wie eh und je. Das bestätigt auch die Wissenschaft: Wenn du dich weiter forderst, geht der kognitive Abbau langsamer.

Ich habe mit einer Forscherin gesprochen, die das Altern als Entwicklungsprozess wie das Erwachsenwerden sieht – bis zur letzten Stunde. Wer das so sieht, altert glücklicher.

Das Thema mentales Altern habe ich in meinen Büchern noch nicht aufgegriffen, weil es wenige Studien gab. Inzwischen weiß die Wissenschaft einiges dazu, wie positives Denken, Stressmanagement oder Spiritualität jung halten können. Dankbarkeit und Demut helfen uns, mit dieser Kraft in Kontakt zu treten. Mental starke Menschen, die ihrem Leben einen Sinn geben, sind weniger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, haben ein stärkeres Immunsystem und leiden weniger unter Depressionen.

Sie beschäftigen sich rund um die Uhr damit, möglichst gesund Ihr Leben zu verlängern – mit Nahrungsergänzung, Sport, Essen, Schlaf, Hitze- und Kälte-Stimulation… Das alles neben Ihrer Arbeit als Autorin, Podcasterin, Speakerin und Moderatorin…

Da ist für mich ein Satz des Religionsphilosophen Martin Buber so wichtig: „Bei sich anfangen, aber nicht bei sich aufhören, nicht sich selbst zum Ziel haben.“ Beides ist wichtig: auf sich zu schauen und darauf, was ich für andere tun kann. Ich bin beseelt von dem Gedanken, den Menschen Glaubwürdiges und Vertrauenswürdiges zu kommunizieren und sie zu motivieren, etwas für sich selbst zu tun, um lange gesund zu bleiben.

Sie essen vornehmlich Gemüse, Salat und Körner – bei einem disziplinierten Arbeitsalltag. Das hört sich sehr asketisch, genuss- und lustfeindlich an…

Ja, das kriege ich oft zu hören. Gegenfrage: Macht Schweinshaxe glücklich? So viele Menschen ernähren sich gemüse-basiert und empfinden das als den höchsten Genuss. Ich mache das seit 25 Jahren. Du kannst mir eine Pizza vorsetzen, Knödel, eine Schwarzwälder Kirschtorte oder ein großartiges Dessert – ich rühre es nicht an. Es schmeckt mir nicht. Mein Körper und ich haben ein klares Gefühl dafür entwickelt, was uns guttut.

Ihre Mutter wollte nicht, dass Sie Kochen lernen, damit einem Mann erst gar nicht einfällt, Sie an den Herd zu binden…

Salat kochen kann ich.

Aber vielleicht haben Sie durch diese Erziehung weniger Lust am Essen…

Ja, tatsächlich hat mein erster Mann mir überhaupt erst beigebracht, dass Essen Spaß macht. Meine Mutter war Medizinerin und achtete sehr auf die Ernährung. Es gab bei uns viele Gemüseeintöpfe oder Quark mit Kartoffeln. Die Freude am Essen habe ich heute bei einem tollen indischen Gemüsecurry oder an Spargel mit Ei-Vinaigrette. Auf Fleisch verzichte ich komplett und Fisch gibt es hin und wieder aus zertifizierter Fischerei.

Was sagt Ihr Mann, Wirtschaftsmanager Dr. Wolfgang Reitzle, zu Ihrer Genügsamkeit?

Ich bin keine Missionarin – und er würde sich nie missionieren lassen! Inzwischen macht er aber partiell mit. Das hat allerdings lange gedauert. Bei uns in der Schweiz gibt es die schönen Hofläden beim Bauern, wo wir frisches Bio-Gemüse kaufen. Sprossen ziehen wir selbst. In den Salat kommen auch Kapern und viel Bitteres, wie Artischocken oder Rucola. Für die Proteine Edamame, auch mal ein guter Mozzarella oder Schafskäse, dazu ein bisschen Vollkornbrot. Inzwischen isst mein Mann mittags einen großen Salat. Manchmal fragt er dann doch: „Ja, und was gibt es jetzt?“ Dann kommt noch Pasta. Wir testen gerade statt kohlenhydratreichem Hartweizen verschiedene Protein-Pastasorten aus Linsen oder Lupinenmehl, um Diabetes im Alter vorzubeugen.

An was glauben Sie? An welche Art von Leben nach dem Tod?

Das wage ich nicht zu sagen. Meine tiefe Empfindung ist: Da ist diese große Kraft – das Heilige, göttliche Liebe, Gott –, die wir mit dem Verstand nicht erfassen können. Aus dieser Kraft kommen wir – und dorthin werden wir zurückgehen. Werden uns die Seelen unserer Ahnen erwarten? Niemand weiß es.

Bereuen Sie etwas?

Nein, gar nicht. Mein Buch heißt „Alles wird gut, aber nicht von alleine“. Das heißt auch: Gehe Risiken ein und wachse daran. Das ist mein Lebensmotto, und ich bin dankbar: Ich durfte wachsen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE ULRIKE SCHMIDT.

Nina Ruge: „Alles wird gut, aber nicht von alleine! – meine 70 Erkenntnisse für ein gesundes Leben“,

192 Seiten, Verlag Gräfe & Unzer, 22 Euro, ET 18. August.

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