Der unbekannte Weltstar

von Redaktion

Ralf Hütter, Mitgründer der Band Kraftwerk, feiert heute seinen 80. Geburtstag

Ralf Hütter gibt noch immer Konzerte. © Morte Jensen

„Wir sind die Roboter“: die Band Kraftwerk mit (v.li.) Ralf Hütter, Henning Schmitz, Fritz Hilpert und Falk Grieffenhagen beim Montreux-Jazz-Festival. © Sandro Campardo/dpa

Er spielte in diesem Jahr drei Tage hintereinander in der legendären Royal Albert Hall in London, hatte Konzerte in Singapur, Tokio und Prag: Aber obwohl Ralf Hütter einer der einflussreichsten Musiker der Welt ist, wird ihn auf der Straße kaum jemand erkennen. Hütter ist Mitgründer der Band Kraftwerk – deren avantgardistischer Stil prägte den Elektropop, wurde aber vor allem in Deutschland immer wieder verkannt. Am heutigen Donnerstag wird er 80 Jahre alt.

Hütter kam am 20. August 1946 in Düsseldorf zur Welt. Er wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, lernte jung Englisch und Französisch. Dass Aufwachsen in privilegierten Verhältnissen brachte Hütter und Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider immer mal wieder den Ruf der reichen Kinder ein, die nur durch das Geld der Eltern die Mittel für die Musik hatten. Hütter wies das empört zurück: Als er und Schneider den Eltern verkündeten, für die Musik das Studium zu schmeißen, sei die monatliche Unterstützung gestrichen worden.

Den finanziellen Verlust konnten die Kraftwerk-Gründer mit ihrem Erfolg schnell kompensieren. In ihrem Kling-Klang-Studio produzierten sie 1970 das erste Album „Kraftwerk“, das es direkt bis auf Platz 30 der Charts schaffte. Das Lied „Ruckzuck“ wurde zur Erkennungsmelodie der Fernsehsendung „Kennzeichen D“. Nach dem ersten Erfolg stieg Hütter kurzzeitig bei Kraftwerk aus. „Man kann meinen Bruch mit der Gruppe mit einer erotischen Beziehung zu einer Frau vergleichen, die sich dann mit der Zeit abkühlt“, sagte er 1971 der Musikzeitschrift „Rolling Stone“.

Die erloschene Liebe flammte aber bald wieder auf – und das Konzept von Kraftwerk wurde klarer und pointierter. Mit dem vierten Album „Autobahn“ schufen sie einen Meilenstein der elektronischen Musik. Die erste Seite der Schallplatte bestand nur aus dem Titellied, es war ein mehr als 20-minütiges Stück mit wenig Text. „Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn“ funktionierte auch international, Hörer in den USA sollen oft „fun fun fun auf der Autobahn“ rausgehört haben.

Kraftwerk war vor allem im Ausland ein Publikumsmagnet. Während dort die Tourneen schnell ausverkauft waren, musste die „Autobahn“-Tour in Deutschland mangels Interesse abgesagt werden. Dennoch begann Mitte der 70er-Jahre die erfolgreichste Phase der Gruppe. Hütter und Schneider erwiesen sich als Avantgarde. 1978 traf „Die Roboter“ (legendäre Textzeile „Wir sind die Roboter“) den Zeitgeist, der von Sorgen vor der neuen Technik geprägt war. Kraftwerk setzten zunehmend auf eine Entpersonalisierung, arbeiteten mit roboterartigen Figuren auf der Bühne. „Das Model“ auf dem nächsten Album „Die Mensch-Maschine“ folgte als Hit, lange vor dem allgemeinen Siegeszug des Computers. Die erfolgreiche Musik verknüpfte sich bei Kraftwerk mit perfekt inszenierten Bühnenauftritten und legendär gewordenen Grafiken.

2007 kam es zum Bruch der beiden Gründer Ralf Hütter und Florian Schneider. Über Nacht hatte Schneider aus dem Studio seine Instrumente geholt und jeden Kontakt zu Hütter abgebrochen. Erst kurz vor Schneiders Tod im Jahr 2020 versöhnten sich die beiden Männer. Hütter macht mit Kraftwerk seit Jahren immer weiter, für den mit einem Grammy für sein Lebenswerk ausgezeichneten Musiker und Komponisten ist das der Lebensinhalt.RALF ISERMANN

Artikel 2 von 7