Joseph lebt allein auf dem Hof in den Bergen. Seit vielen Monaten schon. Seine Frau Lis hat ihn mit dem vierjährigen Samuel verlassen und ist zurück in die Stadt gezogen. Die Leute im Dorf reden. Schwägerin Ada, die Einzige, die noch Kontakt zu ihm hält, blockt er ab. Am Morgen des 24. Dezember 1963 scheint der wortkarge Mann endlich zu begreifen, dass weder Ehefrau noch Sohn zurückkommen werden. Als er das Gewehr schon in der Hand hat, klopft es. Die junge Birdie steht vor der Tür, und Joseph sieht sich plötzlich mit einem anderen, drastischeren Schicksal konfrontiert. Die Schriftstellerin Elena Fischer („Paradise Garden“) fächert in einfühlsamen Rückblenden langsam das Leben des einsamen Bergbauern Joseph und seiner Suche nach dem Glück auf. Dabei formt sie behutsam das Bild eines unsentimentalen und dennoch sehr emotionalen Mannes. Ein fein beobachteter, elegant konstruierter und völlig unprätentiöser Roman, der lange nachhallt.ULF
Elena Fischer:
„Wirf einen Schatten“, Diogenes Verlag, 346 S., 18 Euro.
★★★★★ Hervorragend