Internetstar mit 70

von Redaktion

Die „Bravo“ ist vor allem online ein Hit

Seit 1968 auf dem Markt: die „Bravo“. © Preller-Pieroth/epd

Das „Starschnitt“-Poster des Idols über dem Jugendbett und „Dr. Sommer“ heimlich unter der Bettdecke lesen: Das ist für viele Babyboomer und Angehörige der „Generation Golf“ eine markante Erinnerung. Beides gehörte in den 1970er- und 80er-Jahren zu den prägenden Sparten in der Zeitschrift „Bravo“, die am 26. August 1956 zum ersten Mal erschien. Vom einstigen Kultstatus ist zum 70. Geburtstag allerdings nicht mehr viel übrig.

Die Auflage der gedruckten „Bravo“ sank von Spitzenwerten von weit über einer Million verkaufter Exemplare auf unter 45.000 heute. Seit 1968 gibt der Hamburger Bauer-Medienverlag die Zeitschrift heraus.

Auf dem ersten Titelbild waren Marilyn Monroe und der Untertitel „Die Zeitschrift für Film und Fernsehen“ zu sehen. Gabriele Rohmann vom Archiv der Jugendkulturen in Berlin erläutert: „Die Verantwortlichen haben sie gegründet, weil sie mit dem Aufkommen des Kinos und der Stars aus den USA einen neuen Markt erkannt hatten.“ Als „unbürgerlich“ habe die „Bravo“ erst gegolten, nachdem sie ihren Untertitel abgelegt habe „und sich immer mehr in Richtung Popstars und Sternchen orientierte“. Größter Aufreger war nach Rohmanns Worten ab den späten 1960er-Jahren die Sexualaufklärung unter dem Pseudonym Dr. Jochen Sommer (wir berichteten). Eine letzte Blüte erlebte die gedruckte „Bravo“ nach der Wiedervereinigung 1990. Das Aufkommen von Musikfernsehen und Internet sowie später der Sozialen Medien läutete jedoch den Niedergang der Zeitschrift ein. Der Verlag reagierte, tauschte Führungskräfte aus, stellte erst auf zweiwöchentliche, dann monatliche Erscheinungsweise um. Ohne Erfolg.

„Unser Anspruch ist seit 70 Jahren derselbe geblieben: junge Menschen ernst zu nehmen und ihnen verlässliche Orientierung zu geben“, erklärt Bauer-Sprecherin Katrin Hienzsch. Dass sich ein großer Teil dieser Orientierung im Digitalen abspielt, weiß man auch bei der „Bravo“: Über Social-Media-Kanäle, sagt Hienzsch, erreiche sie knapp zwei Millionen User, die meisten davon mit rund 868.000 auf Instagram.DPA

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