Kreationen für Superstars

von Redaktion

Die Münchner Designerin Irene Luft kleidet Helene Fischer und Beyoncé ein

Sehr sympathisch: Designerin Irene Luft mit ihrem kleinen Sohn Xaver in ihrem Atelier an der Arnulfstraße in Neuhausen. © Martin Hangen

München und die Mode – lange eine perfekte Partnerschaft. Hier entstanden Capri- und Keilhose, Luxuslabels wie Bogner und Escada hatten hier ihre Kreativschmiede, Highfashion-Magazine und die Münchner Modeschule ihren Sitz. Doch 1996, mit dem Wegfall der Münchner Modewoche, verlor die Stadt in der Design-Szene an Bedeutung. Bis heute. Abseits der internationalen Luxuslabels pulsiert in München wieder eine junge, kreative Modeszene, die auf Nachhaltigkeit, Handwerk und klare Linien setzt. Von avantgardistischen Independent-Labels bis hin zu Ateliers, die alte Stoffe neu interpretieren. Auch Designerin Irene Luft gehört dazu.

Ein Traum für Modebegeisterte verbirgt sich hinter einer unscheinbaren Tür an der Arnulfstraße in Neuhausen. Auf vergleichsweise kleinem Raum drängen sich Nähmaschinen, Schneiderbüsten, Stoffballen, Schnittmuster, Pailletten und Strasssteine. Dazwischen hängen jene aufwendig bestickten Abendroben, mit denen sich Irene Luft weit über München hinaus einen Namen gemacht hat. Auf dem großen Zuschneidetisch liegt die aktuelle Juli-Ausgabe der „InStyle“. Vom Titel blickt Helene Fischer. Die Sängerin trägt einen rosafarbenen, spektakulär voluminösen Rock aus Organzablüten – entworfen von Irene Luft. Es ist ein Bild, das viel über das Leben der Münchner Designerin erzählt. Internationale Prominenz auf dem Magazincover auf der einen Seite. Familienalltag auf der anderen. Und genau zwischen diesen beiden Welten bewegt sich Irene Luft derzeit.

„Er hat natürlich Priorität“, sagt sie und blickt zu ihrem Sohn. Früher, erzählt sie, habe sie spontan entscheiden können, wohin die Reise geht. Heute werde zuerst geschaut, was ihr Sohn braucht. Wenn Xaver schläft, wird abends weitergenäht. Handarbeiten nimmt sie oft mit nach Hause. „Ich kann das einfach nicht lassen.“

Wer zu Irene Luft kommt, bekommt nicht einfach das Kleid, das auf einem Instagram-Bild zu sehen ist. Manchmal sagt sie sogar Nein. Besonders dann, wenn Kundinnen mit KI-Bildern erscheinen. „Die Frau auf dem Bild existiert im echten Leben nicht.“ Sie erklärt dann, warum ein Entwurf nicht zur Figur passt oder warum ein Brautkleid bei 38 Grad Außentemperatur keine gute Idee ist. Bekannt wurde Irene Luft mit glamourösen Abendkleidern und Brautmode. Schlichte Basics? Langweilen sie. „Es macht mir keinen Spaß, ein T-Shirt zu nähen.“ Pullis gibt es bei ihr ab 190 Euro, Kleider liegen im vierstelligen Bereich.

Schon als Kind wuchs sie zwischen Stoffen und Nähmaschinen auf. Ihre Mutter war Schneiderin. Später lernte sie selbst das Handwerk von Grund auf. Bis heute entwirft sie nicht nur die Modelle, sondern erstellt auch die Schnitte und näht selbst.

Einer der außergewöhnlichsten Momente ihrer Karriere kam nach einer Modenschau in Paris. Damals meldeten sich Stylisten von Pop-Superstar Beyoncé. Für deren Tour entstanden Bühnenoutfits – teilweise sogar für die Sängerin selbst. „Wir hatten ein Fitting mit ihrem Double in Paris.“

Am Ende wurden nicht alle Entwürfe eingesetzt. Trotzdem bleibt die Erfahrung etwas Besonderes. Für Irene Luft zählt dabei weniger der prominente Name als die kreative Freiheit. „Die Projekte machen Spaß, bei denen ich machen darf, was ich machen möchte.“

Fast 18 Jahre führt Irene Luft inzwischen ihr eigenes Label. Während viele Designer ständig nach dem nächsten Hype suchen, sitzt sie lieber an ihrer Schneiderpuppe, steckt Stoffe ab und entwickelt Ideen. Und wenn ihr Sohn dabei durchs Atelier läuft, scheint das inzwischen genauso wichtig zu sein wie jede Modenschau in Paris. Denn Erfolg misst sich heute für sie offenbar nicht mehr nur an Laufstegen. Sondern auch daran, rechtzeitig zu Hause zu sein.SVEN BARTHEL

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