„Ich habe mich nie zu ernst genommen“: Dolly Parton in ihrem Büro in Nashville. Die Country-Ikone starb am Dienstag im Alter von 80 Jahren. © John Russell/dpa
Sie war nicht nur bei Fans und Kollegen wegen ihrer witzigen Art beliebt, bei Dolly Partons Schlagfertigkeit hatte man es als Reporter oft schwer, ernst zu bleiben. So erging es auch unserem Korrespondenten Christian Thiele, der sie kurz vor ihrem 75. Geburtstag zum letzten Mal zu ihrer gemeinnützigen „Dollywood Foundation“ interviewt hatte. Die US-Countrylegende war am Dienstag nach kurzem Kampf an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben – „umgeben von ihren Liebsten“, so das Magazin „People“.
Sie werden bald 75….
Moment, junger Mann, ich bin noch immer 74 – hetzen Sie mal nicht rum!
Ich wollte doch nur sagen, dass Sie 20 Jahre jünger aussehen. Und fragen, was Ihr Geheimnis ist!
Danke für das Kompliment. Dafür ist mein Schönheitschirurg merklich gealtert. (Lacht.) Aber im Ernst, ich habe noch nie etwas Drastisches an mir machen lassen. Ein bisschen Straffen hier, ein bisschen Auffüllen da. Ich arbeite hart wie ein Packesel, will aber wie ein Show-Pferd aussehen.
Machen Sie denn Fitnesstraining?
Ehrlicherweise gehe ich nie ins Gym. Ich hasse es, mit anderen zu schwitzen. Ich versuche, so gesund wie möglich zu leben und möglichst wenig Kohlenhydrate zu essen. Leider bin ich klein und habe einen großen Appetit. Eine doofe Kombo.
Sie haben eine Wohltätigkeitsorganisation gegründet. Die Dollywood Foundation unterstützt vor allem Kinder aus armen Verhältnissen.
Ich liebe es, anderen zu helfen – und kann das heute auch. Auf ein Programm meiner Stiftung bin ich besonders stolz. Es heißt die Fantasie-Bibliothek. Wir verschenken Bücher an Kinder, von Geburt an bis sie in die Schule kommen. Als Grundstein für ihr weiteres Leben. Wir haben bislang schon über 150 Millionen Bücher verschenkt!
Sie sind auch in sehr armen Verhältnissen in Tennessee aufgewachsen.
Ja, wir wohnten abgelegen in den Bergen, ohne Strom. Meine Mama wusste im Herbst nie, ob wir genug Kleidung und Nahrung haben, um durch den Winter zu kommen Sie wusste nicht einmal, ob alle Kinder überleben würden, wenn jemand krank wird. Es war nämlich ohne Heizung bitterkalt im Haus und Geld für den Arzt hatten wir nicht.
Sie haben es mit Ihrer Stimme zu Weltruhm gebracht. Gab es einen Plan B, wenn es mit der Karriere nicht geklappt hätte?
Nein. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen. Ich habe schon bei meiner Geburt gesungen. Mein anderes Talent wäre sonst noch Beauty-Stylistin gewesen. Ich habe schon als Teenager für besondere Anlässe die Haare meiner Mutter und Schwester frisiert und beide dann geschminkt. Meistens für Beerdigungen…
Sie werden überall erkannt – die Kehrseite Ihres Ruhms?
Ich liebe es, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich schreibe gerne Autogramme oder posiere für ein Foto. Ich wollte immer ein Star sein und werde jetzt nicht, wo ich es bin, darüber meckern.
Gibt es etwas, was Sie bereuen und anders machen würden?
Ich denke nicht. Klar hätte ich Dinge anders machen können, doch das hätte womöglich alles, was dann folgte, verändert. Daher bereue ich nichts.
Sie sind eine Frau, die sich und Ihren Look oft selbst auf die Schippe nimmt! Woher kommt dieses Selbstbewusstsein?
Ich habe mich nie zu ernst genommen. Ich habe mir eine Welt geschaffen, in der ich mich wohfühle. Als ich als junges Landei nach Nashville gekommen bin, habe ich meinen eigenen Look kreiert. Und da ich genug Talent hatte, wurde ich akzeptiert.
Stimmt es, dass Sie in Ihrem Make-up schlafen, um rund um die Uhr immer fertig für die Kamera zu sein?
Ja. Stellen Sie sich vor, es bricht ein Feuer aus oder es ist ein Erdbeben. Mich würde doch ohne Schminke niemand erkennen, wenn ich so nackt im Gesicht rauslaufen würde – oder sie wären von meinem Anblick zu Tode erschrocken.