Ganz clever macht das Pablo Heras-Casado. Der profitiert gern vom Können verschiedener Orchester, um sich quasi „draufzusetzen“. Ein wenig überbewertet erscheint dieser Dirigent auf dem Musikmarkt. Doch manchmal gelingt dabei sehr Diskussionswürdiges. Mit dem Originalklang-Ensemble Anima Eterna Brügge hat er Bruckners Dritte eingespielt, und dann gleich die Urfassung. Eine schrundige, ungeglättete, wilde Stoffsammlung, die sich klanglich nur selten weiträumig aussingt wie die späteren Fassungen und Folgesymphonien. Aufregend, aufschlussreich und überraschend ist das, weil es vorführt, wie modern (und abstoßend) Bruckner auf manche Zeitgenossen gewirkt hat. Das Orchester bringt enorme stilistische und technische Erfahrung mit – Heras-Casado weiß das zu nutzen.TH
Bruckner:
Symphonie Nr. 3. Anima Eterna Brügge, Pablo Heras-Casado (harmonia mundi).
★★★★ Hörenswert