Die Choralschola des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik im Vatikan. © Pims
Hoher Besuch hat sich in der kommenden Woche im Kloster Beuerberg angekündigt. Als Abordnung aus dem Vatikan begrüßt man dann nämlich die Chorschola des Päpstlichen Instituts für Musik. Für sechs Konzerte, die mit dem Motto „SeelenKlang“ überschrieben sind. Womit man sich inhaltlich an die bereits seit Juli im Freisinger Diözesanmusem laufende Ausstellung „Seelentrost“ anlehnt.
Mitinitiator dieses besonderen Projekts ist unter anderem Pater Robert Mehlhart, der Rektor des Päpstlichen Instituts. Er hebt im Gespräch immer wieder den partizipativen Charakter dieser neu ins Leben gerufenen Musikwoche hervor. „Das Kloster versteht sich von jeher als ein Ort der Begegnung. Da kann man natürlich nur in die Konzerte gehen. Aber ich würde wirklich alle ermutigen, auch selbst aktiv mitzusingen.“ Denn dafür gibt es gleich an zwei Terminen die Gelegenheit. Einmal bei einem Sing-along-Gottesdienst mit Gregorianischen Chorälen in der Stiftskirche St. Peter und Paul. Sowie bei einem offenen Singen mit den Mitgliedern des Päpstlichen Musikinstituts. „Reisen sind immer gut, weil sie ein Ensemble noch mehr zusammenschweißen. Es ist eine sehr multinationale Gruppe. Und genau darum haben wir alle gebeten, jeweils ein Lied aus ihrer Heimat mitzubringen, das wir dann gemeinsam mit den Konzertbesuchern singen. Den Abend habe ich komplett in die Hände der Studierenden gelegt und bin selbst schon sehr gespannt.“
Ganz klassisch bleiben dagegen die restlichen Konzerte der Musikwoche. Obwohl auch hier die eine oder andere Entdeckung wartet. So beispielsweise die „Herrenchiemsee-Festkantate“ von Michael Haydn, deren Notenmaterial speziell für diesen Anlass rekonstruiert wurde. Für Pater Robert „ein Stück bayerischer Geschichte“. Denn ihre Uraufführung erlebte die Komposition einst im Inseldom auf Herrenchiemsee, der kurz darauf im Zuge der Säkularisierung zu einer Brauerei umgebaut wurde.
Gleichzeitig schwelgt das Programm aber nicht nur in der Vergangenheit. Auch Brücken ins Hier und Jetzt werden geschlagen. So unter anderem mit Pergolesis „Stabat Mater“, das hier mit einer Uraufführung von Theo Flury kombiniert wird. Der Composer in residence hat sich dazu von Nietzsches „Ecce Homo“ inspirieren lassen. „Die Orchesterbesetzung knüpft an Pergolesi an“, wie Pater Robert verrät. „Trotzdem bleibt es moderne Musik. Aber eine Musik, die zu den Menschen spricht.“ Denn es geht hier um Dialog.
Auch mit der bildenden Kunst von heute. Weshalb in der Partitur taktgenau jener bedeutungsvolle Moment vermerkt ist, zu dem beim Konzert in der Stiftskirche ein neu in Auftrag gegebenes Bild des Berliner Künstlers Carsten Wirth enthüllt werden soll, das auf demselben Nietzsche-Text aufbaut. Womit sich am Ende der Bogen ins Museum auf mehr als einer Ebene schließt.TOBIAS HELL