Molekülverschiebungen. So nennt es Leo, die Hauptfigur des Romans von Eva Lohmann, wenn sich um sie herum die Stimmung ihrer Mitmenschen verändert, wenn jemand genervt oder unzufrieden ist. Sie nimmt es sofort wahr und zum Anlass, ihr eigenes Verhalten entsprechend anzupassen – vor allem wenn es sich um ihren Ehemann handelt. Kein Wunder also, dass sich Leo nach der Scheidung befreit fühlt in ihrer neuen Wohnung. Müsste sie sich nicht auf die Suche machen nach einer ernsthaften Partnerschaft, die über Gelegenheitssex hinausgeht und ihr das Stigma der geschiedenen, kinderlosen Frau abnimmt? Das sagt zumindest Leos Vater. Und ihre Mutter. Und ihre beste Freundin. Und die Gesellschaft. Eva Lohmann schickt ihre Heldin in die Untiefen der Dating-Apps, sie landet einen Jackpot. Der Roman erforscht, wie stark Normvorstellungen individuelle Bedürfnisse überlagern können. Aber auch wie es möglich sein kann, endlich ehrlich zu sich selbst zu sein. Ein leiser, kluger Roman.JP
Eva Lohmann:
„Etwas Leichtes“. Eisele, 240 Seiten; 24 Euro.
★★★★★ Hervorragend