Überlebte den Holocaust: Péter Nádas. © Koall/dpa
Der ungarische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Péter Nádas ist tot. Er wurde 83 Jahre alt, wie seine Literaturagentin Anett Orosz sagte. Auf Nádas‘ Facebookseite hieß es, er sei am Mittwoch zu Hause im westungarischen Gombosszeg gestorben. Der Autor, der vor der Wende ein scharfer Kritiker der kommunistischen Herrschaft in Ungarn war, war immer wieder für den Literatur-Nobelpreis gehandelt worden.
Zu seinen bekanntesten Werken gehört der 1200 Seiten starke Roman „Parallelgeschichten“, der 2005 erschien. Nádas hatte 18 Jahre dafür gebraucht, den Roman zu schreiben. Mit seinen vielen Handlungssträngen und Figuren beleuchtet das Werk die ungarische Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. In seinem Werk „Der eigene Tod“ von 2004 verarbeitete Nádas, dass er nach einem Herzanfall für klinisch tot erklärt worden war, aber schließlich wiederbelebt wurde. „Ich lebe gern und der Körper lebt gern“, sagte er darüber später in einem Interview mit dem ungarischen Fernsehen. „Aber es war auch gut zu sterben – das war so ein friedlicher Zustand, solch eine Ruhe, wie ich sie nie zuvor erlebt hatte.“
Nádas war 1942 in einem jüdischen Elternhaus in Budapest zur Welt gekommen. Er überlebte die brutale deutsche Besetzung der Stadt während des Zweiten Weltkriegs. Als Jugendlicher übernahm eine Tante seine Erziehung, nachdem seine Mutter 1955 an Krebs gestorben war und sein Vater 1958 Suizid begangen hatte.
Nádas, der fließend Deutsch sprach, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Im vergangenen Jahr wurde ihm der Orden Pour le Mérite verliehen, eine der höchsten Ehrungen, die Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland zuteilwerden kann.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte: „Mit Péter Nádas verlieren wir einen der bedeutendsten europäischen Romanautoren und Erzähler der Gegenwart“ und würdigte ihn als „europäischen Geist im besten Sinne des Wortes“.AFP