Zum Anfassen: Sänger Nico Santos geht auf Tuchfühlung mit seinen Fans im Olympiapark.
Eine Krone als Bühne: Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin sind das deutsche Musik-Duo SDP. © Martin Hangen/hangenFoto
SDP wollen es darauf ankommen lassen. „Scheißegal, dann stellen sie uns den Strom ab, wir spielen noch ein Lied“, ruft Vincent Stein nach einem Blick auf seine Armbanduhr. Also werden die weißen Handtücher zum Wirbeln ausgepackt. Und das Finale des ersten Festivaltags beim diesjährigen Superbloom kann mit der Frage aller Fragen beginnen: Wo war ich in der „Nacht von Freitag auf Montag“?
Zuvor haben Stein, sein Partner Dag-Alexis Kopplin und ihre Band ziemlich genau eine Stunde und 45 Minuten lang das getan, was sie am besten können. Ihr Auftritt – die Setlist an diesem Abend besteht aus Fan-Favoriten wie „Mama hat gesagt“, „Wenn ich einmal groß bin“ oder „So schön kaputt“ – ist eine einzige Party. Für die sie das Publikum auf dem Weg zu ihrer Nebenbühne in Form einer Krone durchqueren, um „Viva la Dealer“ und „Ne Leiche“ zu präsentieren. Und Nico Santos für „Ich will nur, dass du weißt“ auf die Bühne holen.
Der Sänger und Songschreiber hat am Samstag selbst einen hitgespickten Auftritt auf der Bloom Stage, bei dem er wiederum SDP unter großem Fan-Jubel auf die Bühne bittet, um den gemeinsamen Song „99 Problems“ zu singen. Santos feiert auch unabhängig davon seine eigene Party. Lässt die Fans vom „Rooftop“ schreien und klettert in den Front-of-Stage-Bereich, um mit ihnen zu Blurs „Song 2“ zu springen.
Das Superbloom Festival kann nicht nur große Namen. „Krass, hatte ich Angst, dass hier nur drei Leute stehen.“ Mika Noé ist sichtlich erleichtert, als er als zweiter Künstler dieses Superbloom-Samstags sein Publikum begrüßt. Auch wenn das Festival gerade erst begonnen hat: Es sind deutlich mehr als drei Leute gekommen, um den sympathischen Singer-Songwriter aus Berlin zu sehen. Dass schon die ersten Auftritte des Tages sehr gut besucht sind, liegt sicherlich auch daran, dass die Veranstalter den Geschmack des vorwiegend jungen Publikums getroffen haben.
So werden Kasi & Antonius, Berq oder Buntspecht laut umjubelt, bevor auf der großen Bühne am Hans-Jochen-Vogel-Platz die mutmaßlichen Publikumsmagneten ihre Auftritte haben. Einer davon ist Zartmann, der Indie-Rapper ohne Vornamen, den man getrost als Ikone der jüngeren Generation bezeichnen darf. Sein Auftritt begeistert hörbar, Zartmanns Popularität geht längst über Social Media hinaus. Songs wie „Tau mich auf“ oder „Meinen die uns“ rappt das Publikum ohne Aussetzer über den Platz hinaus bis auf die Grünflächen mit.
Das bewährte Konzept mit den beiden im Wechsel bespielten Bühnen im Stadion mussten die Veranstalter in diesem Jahr neu denken. Die Bloom Stage fasst zwar nicht so viele Zuschauer, dafür fügt sie sich stimmiger in den Olympiapark. Auch die Wege zwischen den Bühnen sind kürzer geworden. Die NeoNeo Stage, die sich am anderen Ufer des Sees befindet, ist in wenigen Minuten erreichbar. Das Superbloom als buntes, junges, inklusives Festival findet auch ohne das Stadion seinen Platz zwischen den olympischen Sportstätten und im Kalender der Musikfans in München und der Umgebung.
SDP wurde übrigens natürlich nicht der Strom abgestellt. Um Punkt 22 Uhr versammeln Dag und Vincent ihre Band und Nico Santos für ein abschließendes Foto mit den Fans im Olympiapark. Und verabschieden das Publikum nach einem gelungenen ersten Festivaltag bei perfektem Spätsommerwetter in die Nacht. Auf den am Sonntag mit Auftritten von Ikkimel, Tom Odell, Zara Larsson und Kygo die nächsten Höhepunkte folgen.KATHRIN BRACK