In Schwabing: Feuchtwangers Wohnhaus. © Foto: Rufus46
Schriftsteller Lion Feuchtwanger. © akg
Villa Aurora: Seit 1995 ist das Haus Zentrum des deutsch-amerikanischen Kulturaustauschs. © Barbara Munker/dpa
Die weißen Mauern reflektieren das Sonnenlicht, davor wiegen sich Palmen im Wind: die Villa in Pacific Palisades mit Blick über die Bucht von Santa Monica erstrahlt in neuem Glanz. Am Sonntag öffnet die Villa Aurora wieder, das einstige Exil-Wohnhaus des Münchner Schriftstellers Lion Feuchtwanger und seiner Ehefrau, der Aktivistin Marta Feuchtwanger. Im Januar 2025 war das Haus nur knapp den verheerenden Bränden in der Region entgangen. Nach der Beseitigung von Rauchschäden und einer umfassenden Sanierung des Gartens feierten Freunde, Nachbarn, Förderer und Partner am vergangenen Sonntag die Wiedereröffnung der historischen Künstlerresidenz.
Die Villa kam bei den Bränden noch einigermaßen glimpflich davon, in der Nachbarschaft brannten viele Häuser komplett ab. „Inoffiziell sagen wir immer, dass Marta Feuchtwanger eine Hand über uns gehalten hat“, so die Direktorin der Villa Aurora, Claudia Gordon, bei der Eröffnung. Bereits während des Bel-Air-Feuers in den 60er-Jahren soll Feuchtwanger das Dach der Villa bewässert und so die Bibliothek des Hauses gerettet haben.
Nun prüfe man weitere Brandschutzmaßnahmen. „Wir sitzen immer noch in einem Waldbrandgebiet. Klimatisch hat sich auch nichts geändert, das wird im Gegenteil alles immer schlimmer“, sagte Gordon. Man müsse sich für die Zukunft rüsten. Sie dankte auch Justin Jampol, Gründer und Geschäftsführer des Wende-Museums in Los Angeles. „Er hat nach der Villa gesehen, als das Gebiet noch unzugänglich war“, sagte die Direktorin. Er organisierte auch die Rettung der Kunstwerke aus der Villa Aurora und dem Thomas-Mann-Haus. Dafür werde Jampol aus von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, wie der stellvertretende Generalkonsul Deutschlands in Los Angeles, Danijel Skrelja, verkündete.
Die 1927 erbaute Villa wurde 1943 Wohnsitz des deutsch-jüdischen Exilschriftstellers Lion Feuchtwanger (1884-1958) und seiner Frau Marta. Feuchtwanger konnte das Haus damals für 9000 Dollar erwerben. Das Geld stammte aus dem Verkauf seines Buches „Die Brüder Lautensack“. Das damals baufällige Haus renovierte seine Frau Marta, richtete es mit gebrauchten Möbeln ein. Auch den Garten legte sie an. Die Villa Aurora entwickelte sich zum Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle wie Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht und Charlie Chaplin. Seit 1995 förderte die Villa fast 500 Schriftsteller, Komponisten, bildende Künstler und Filmemacher.
In München lebte das Ehepaar Feuchtwanger bis 1925 in dem Schwabinger Wohnhaus an der Georgenstraße 24. SUSANNE HEHR