Seine Stimme ist unsterblich

von Redaktion

Barry Gibb, der letzte Überlebende der Bee Gees, feiert seinen 80. Geburtstag

Staying alive: Barry Gibb 1978 auf der Bühne, mit seinen Brüdern Robin und Maurice (o. li.) und 2019. Links: John Travolta in „Saturday Night Fever“. © imago (3), dpa

Im Mai wurde Barry Gibb im Internet fälschlich für tot erklärt. Eine dubiose Facebook-Seite mit dem Titel „R.I.P. Barry Gibb“ versetzte Fans weltweit in Aufregung. Kurze Zeit später gab die Familie des letzten lebenden Bee Gees Entwarnung. Barry gehe es gut. Die Seite wurde schnell abgeschaltet. Am heutigen Dienstag feiert der britische Sänger und Songwriter seinen 80. Geburtstag.

Mit seiner unverwechselbaren Falsettstimme prägte Barry Gibb die größten Hits der Bee Gees, darunter Popklassiker wie „Stayin‘ Alive“, „Night Fever“, „Tragedy“ oder „Too Much Heaven“. Die Wirkung seiner extrem hohen Stimme entdeckte er erst später in seiner Karriere. Die Idee dazu hatte Produzent Arif Mardin bei den Aufnahmen zur Single „Nights On Broadway“. Barry versuchte es und staunte über seinen eigenen Stimmumfang. Damals trug der Frauenschwarm zu seinem strahlend weißen Lächeln das Hemd offen und die vollen Haare dauergewellt. Heute ist Barry der letzte Überlebende der berühmten Brothers Gibb.

Gibb wird 1946 in Douglas auf der Isle of Man geboren. Schon als Kind musiziert er mit seinen jüngeren Brüdern, den Zwillingen Robin und Maurice (der vierte, Andy, ist noch zu jung), und tritt in den Fünfzigern als Skiffle-Band The Rattlesnakes auf. Nach ein paar Jahren in Manchester siedelt die Familie nach Australien über. Dort werden aus den Rattlesnakes die Bee Gees, die mit ihrem Harmoniegesang für Furore sorgen. Um die Karriere der Söhne zu fördern, zieht die Familie 1967 zurück nach England, wo die Musikszene boomt. „Wir waren uns alle drei einig, dass wir um jeden Preis berühmt sein wollten“, erinnert sich Gibb im Dokumentarfilm „How Can You Mend A Broken Heart“. 1967 gelang es ihnen mit dem Megahit „To Love Somebody“.

Doch der Ruhm bringt Probleme mit sich – die Harmonie existiert bald nur noch im Gesang. „Als wir berühmt wurden, habe ich aufgehört, Robin und sein Privatleben zu kennen, mit Maurice war es genauso“, klagt Gibb. Dazu kommen Alkohol und Drogen, auch kommerziell geht es bergab. „Es gab überhaupt kein Interesse mehr an uns.“

Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem moderneren Sound – Funk, Soul und R&B – und Barrys Falsettgesang schwimmen sie auf der jungen Disco-Welle. Mit dem Soundtrack zum John-Travolta-Kultfilm „Saturday Night Fever“ landen die Bee Gees ihren größten Erfolg mit drei Nummer-eins-Hits „Stayin‘ Alive“, „How Deep Is Your Love“ und „Night Fever“, dazu „More Than A Woman“ und „If I Can‘t Have You“. Sie werden zu Ikonen.

Doch wieder hat der Erfolg Schattenseiten. Die Bee Gees werden zu Hassfiguren der „Disco Sucks“-Bewegung und genervter Radio-Discjockeys. Die Band zieht sich vorerst zurück, das Trio bleibt aber nicht untätig. Es schreibt für andere Künstler. „Das half uns zu überleben“, sagt Barry. Der Bee-Gees-Stil ist meist erkennbar, etwa bei Dionne Warwicks „Heartbreaker“ oder Diana Ross‘ „Chain Reaction“.

Für Gibb verlieren diese Erfolge angesichts familiärer Tragödien an Bedeutung. Der Verlust seiner drei Brüder setzt ihm schwer zu. Andy stirbt 1988, kurz bevor er endlich Mitglied der Band werden soll. Maurice stirbt 2003, Robin 2012. „Ich hätte sie lieber alle hier und dafür keinen einzigen Hit“, sagt Barry. Mit seiner zweiten Frau Linda ist er seit 1970 verheiratet. Sie haben fünf Kinder.

Ob Barry, der sich seit dem Ritterschlag 2018 Sir nennen darf, auf die Bühne zurückkehrt, ist fraglich. In letzter Zeit ist es stiller geworden um den letzten Bee Gee. Auf seiner Website und Social Media tut sich kaum noch etwas. Sein bislang letztes Konzert gab Barry Gibb 2019.PHILIP DETHLEFS

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