KONZERT

Magisches Rumpeln

von Redaktion

„Es ist ein alter Song. Ihr könnt tanzen, wenn ihr wollt“, sagt Penelope Lowenstein mal. Als wäre der Co-Sängerin von Horsegirl die gradlinige Indie-Poprock-Energie des Debütalbums ein bisserl peinlich. Auf der aktuellen LP „Phonetics on and on“ überdenken die drei Chicagoerinnen, was Musik überhaupt ausmacht, gucken sich noch mal die fundamentalen Bausteine an. Auf der Ahnentafel stehen Elastica, die frühen Talking Heads. Live in der dampfig-vollen Milla aber wirkt die Naivität wieder weniger wohlüberlegt. Alles beginnt mit sympathischer Probenraum-Rumpeligkeit, muss erst mal einen gemeinsamen Ruhepuls finden. Nur Drummerin Gigi Reece, Dynamo des Trios, trägt nie die schützende Maske cooler Blasiertheit (die freilich auch bei Lowenstein und Nora Cheng gern mal lachend verrutscht). Die Band demontiert demonstrativ ihre Single „2468“ zur Punk-Leier. Im melancholischen Kreiseln von „Julie“ wird die Einfachheit plötzlich magisch. Und bei „Switch Over“ als Finale legen sie vollends den Schalter zur gemeinsamen Spielfreude um.THOMAS WILLMANN

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